Magdeburg l Vor fünf Jahren hatte Rathauschef Lutz Trümper noch eine andere Version der Panoramabahn im Sinn. "Was uns noch fehlt, ist eine direkte Verbindung vom Wissenschaftshafen zur Fachhochschule. Die Panoramabahn könnte zukünftig über die Elbe hinweg den Campus mit unserem neuen Wissenschaftshafen und damit Forschung und Lehre miteinander verbinden. Mit einem Zwischenstopp im Park würden wir zusätzlich eine einmalige touristische Attraktion schaffen", schreibt Trümper in einer Imagebroschüre des Elbauenparks von 2009.

Doch die Version wurde nie verfolgt. Die Stadt hat sich über die Jahre gescheut, in die notwendige Instandhaltung der Bahn zu investieren. Mit Segen des Stadtrates ist die Bahn auf Verschleiß gefahren, sagt Linken-Fraktionschef Frank Theile. Am Freitag dreht die Bahn ihre letzten Runden.

Stadt und Park können sich die Schwebebahn finanziell nicht mehr leisten. Was mit der Bahn dann passiert, weiß bereits Stadtrat und Aufsichtsratmitglied der Messe und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM) Marcel Guderjahn. Guderjahn plauderte am Montagabend beim Runden Tisch zwischen Linken-Fraktion und Bürgerinitiative zum Erhalt der Panoramabahn aus dem Nähkästchen. "Der Zug ist abgefahren. Bahn und Gleise sind verkauft. Sie hätten früher kommen müssen", so Guderjahn. Bereits im November werden die Züge das Elbauenpark-Areal verlassen. Im Januar soll die Stahlkonstruktion abgebaut und verschrottet werden. Das Aus der Panoramabahn ist damit besiegelt.

Steffen Schüller, Geschäftsführer der MVGM, bestätigt auf Nachfrage der Volksstimme den Verkauf von Bahn und Gleisen. Die Verträge mit zwei Firmen wurden bereits unterzeichnet. Über den Verkaufspreis wollte sich der Geschäftsführer nicht äußern. Genaue Termine zum Abtransport der Züge und dem Abbau der Gleisanlage konnte Schüller nicht nennen. Als Alternative zur Panoramabahn wird ein Parkbus gehandelt. Demnächst sollen dem Aufsichtsrat zwei Angebote vorgelegt werden, erklärte der MVGM-Geschäftsführer.

Unterdessen fordert am Montagabend Christoph Rudhard von der Bürgerinitiative die Linken-Stadträte auf, den Abbau der Panoramabahn zu stoppen. "Nur weil ein einzelner Mann die Panoramabahn weghaben will, muss sie nicht abgerissen werden", so der Magdeburger. "Durch den Abbau entsteht der Stadt ein wirtschaftlicher und politischer Schaden." Heike Rudhard sprach sogar von einem gerichtlichen Abbaustopp. Doch dies sei laut Stadträten nicht möglich, da der Beschluss zur Stilllegung der Panoramabahn rechtsverbindlich sei.

1540 Unterschriften haben Christoph und Heike Rudhard zum Erhalt der Panoramabahn gesammelt. Die Linken-Fraktion wollte sich auf Grundlage des Bürgerprotests des Themas noch mal annehmen. Doch die Linken zeigten sich nach einem Gespräch mit Steffen Schüller Mitte Oktober resigniert. Es liegen keine haltbaren Fakten vor, um die Bahn zu retten und den Stadtratsbeschluss zu kippen, argumentiert Frank Theile.

Christoph Rudhard ist enttäuscht, dass ungeachtet des Bürgerprotestes die Parkverwaltung an den Rückbauplänen festhält. "Wir als Bürger haben durchaus entsprechende Alternativen aufgezeigt - Teilsanierung über Sponsoring oder die frühere Betreiberfirma. Leider wurde aus unserer Sicht nicht einmal ansatzweise versucht, über entsprechende Alternativen ernsthaft nachzudenken", so Rudhard. Die Bürgerinitiative habe den Linken-Stadträten nie etwas Greifbares vorgelegt, um den Erhalt der Bahn zu rechtfertigen, so Theile.

"Ich sehe persönlich keine Chance, die Bahn noch zu retten. Wir werden aber auf jeden Fall ein grundlegendes Konzept für den Elbauenpark einfordern", versucht Theile die Bürgerinitiative zu beschwichtigen. Linke-Frau Karin Meinecke breitet ihre große Sorge aus: "Wir haben gehört, dass auch Kunstwerke dauerhaft aus dem Park verschwinden und Themengärten zurückgebaut werden sollen." Im Elbauenpark gehe es nach Fraktionschef Theile nicht aufwärts, sondern abwärts - auch wenn es die Zahlen anders belegen. Mit bislang 299080 Besuchern seit Jahresbeginn hat der Elbauenpark bereits die beste Besucherbilanz seit sechs Jahren erreicht.

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