Üllnitz l Eine Art Altersheim für Ponys und Pferde ist auf "Katjas Ranch für Groß und Klein" in Üllnitz entstanden. Neben dem Reitunterricht und den Pensionspferden hat sich die junge Frau einen Gnadenhof aufgebaut. Hier kommen kranke, alte oder schwierige Tiere unter. Oft war es den Besitzern zu viel Aufwand, sich weiter um die Tiere zu kümmern, oder sie konnten es selbst aus Altersgründen nicht mehr.

Vor allem Pferde und Ponys bevölkern das weitläufige Gelände mit Reitplatz. Da gibt es ein Pferd, das Katja Böttcher mit der Flasche groß gezogen hat. "Als es ein Fohlen war, ist die Mutter gestorben. Das Großziehen mit der Flasche war den Besitzern zu viel Aufwand, sie wollten es zum Schlachter bringen", sagt sie.

Aber es gibt auch noch schlimmere Schicksale, die sich hier versammeln. Eine Stute kam aus schlechter Haltung, sie war sehr hektisch und hatte einen Herzinfarkt erlitten. Nach Jahren auf der Üllnitzer Ranch ist das Tier ruhiger geworden und wird sogar geritten. "Hier habe ich ein Mädchen gefunden, das sie regelmäßig reitet, das ist einfach klasse", freut sich die Pferdenärrin.

Auch Pony Felix, der 20 Jahre auf dem kleinen Ponyrücken hat, hatte ein schweres Los gezogen. Sein Leben verbrachte er in einem Stall ohne Fenster, den er nie verlassen konnte und wo er nie Tageslicht sah. "Er war sehr verstört, als er hier ankam", sagt Katja Böttcher mit nachdenklichem Blick. "Er hatte panische Angst davor, in einen Stall zu gehen und er war auch nicht sozialisiert, weil er keine anderen Pferde kannte." Felix hat sich nun langsam an seine Artgenossen gewöhnt und ist ebenfalls viel ruhiger und gelassener geworden.

"Pony Felix war sehr verstört, als er hier ankam"

Auch ein Pony, das eine schlimme Fußkrankheit hatte, kam hierher, weil die Pflege sehr aufwendig war. Es brauchte spezielles Futter und viel Geduld, damit es wieder gesund wird. Das hat gut geklappt. Mehr noch: Das Pony ist sogar Mama geworden.

Die spezielle Fütterung, Krankenpflege und Betreuung der Spezialfälle hat sich die gelernte Kauffrau, die sich mit dem Hof einen Lebenstraum erfüllt hat, selbst beigebracht. Für die medizinische Fürsorge hat sie ihren Tierarzt an der Seite.

Zu den Pferden und Ponys gesellt sich aber noch mehr von der bunten Tierschar. Zwei Hängebauchschweine hat Katja Böttcher aufgenommen. "Die Besitzer des einen Schweins wollten es tatsächlich in der Wohnung halten. Als sie es alleine gelassen hatten und dann wiederkamen, hatte das Schwein das Parkett zerstört, und die Leute waren ganz erstaunt, dass man ein Schwein nicht im Wohnzimmer halten kann", sagt Katja Böttcher und schüttelt den Kopf.

Dazu kommen noch sechs süße Schafe, die zum Schlachter sollten, jetzt aber die Attraktion für die Reitschüler sind, die mit ihnen kuscheln und spielen und ihnen die lustigen Namen "Flöckchen und Mäuschen", "Susi und Strolch" und "Max und Moritz" gegeben haben. "Meistens lasse ich die Kinder die Namen aussuchen", sagt die Reitlehrerin.

Auf der Wiese trollen sich noch Ziege Lissy und Ziegenbock Louis, die auch in den Kochtopf sollten. Dazu kommen die "Seepferdchen", wie Katja Böttcher jene nennt, die während des Hochwassers aus ihrem Zuhause weichen musste, aber bis heute blieben.

Wer den Tieren das Gnadenbrot gibt, erlebt natürlich auch ihren Tod mit. Die Stute Daisy ist hier 27 Jahre alt geworden, die Ponystute Suse 39 Jahre. So gehört auch die "Sterbebegleitung", wenn man es so nennen will, zum Leben auf dem Pferdehof. Wenn es soweit ist, legt sich Katja Böttcher den Kopf des Pferdes auf die Knie und streichelt es. "Es beruhigt sie, wenn ich in dem Moment für sie da bin." Immerhin ist Katja Böttcher so etwas wie das "Leittier" auf dem Hof.

"Mir wächst jedes Tier schnell ans Herz"

"Da ich selbst zu sehr an den Tieren hänge, überlasse ich die Entscheidung, ob ein Tier eingeschläfert werden muss, dem Fachmann, also meinem Tierarzt." Ein Tier, das sich nur noch quält, am Leben zu erhalten, nur um die Trauer zu umgehen - also aus Egoismus - das möchte sie nicht.

Katja Böttcher hat das Grundstück, eine ehemalige Wochenendsiedlung am Rande von Üllnitz, hinter dem Neuen Weg, 2006 gekauft, alle Zäune, Beete und Wege entfernt. Die Bungalows wurden zu offenen und geschlossenen Ställen umgebaut.

Heute wohnen ein Dutzend Ponys, sechs Pferde, sechs Ziegen, die Hängebauchschweine und Schafe auf dem großen Gelände. Bei den offenen Ställen sind aktuell noch drei, bei den geschlossenen Boxen noch zwei Plätze für Pensionspferde frei.

Die junge Frau hat auf dem Hof den ganzen Tag lang alle Hände voll zu tun. Die Pferde wollen ihr Frühstück, werden jeden Tag ausgemistet. Am Nachmittag kommen die Reitschüler. Das sind zur Zeit 15 Kinder.

"Reitunterricht gebe ich prinzipiell für jeden. Auch eine Frauengruppe hatte ich schon", erklärt Katja Böttcher. Mehrere psychisch beeinträchtige Menschen gehören zu ihren Reitschülern. Im Sommer nehmen die Reitkinder unter ihrer Leitung am Ringreiten und anderen Veranstaltungen teil.

Der Gnadenhof ist jetzt an seine Kapazitätsgrenze angekommen. Katja Böttcher hat sich mit dem Hof selbständig gemacht und muss das Futter und Stroh für die Pferde aus den Einnahmen der Pensionspferde und den Reitstunden finanzieren. "Mittlerweile muss ich mir genau überlegen, ob ich noch Tiere aufnehme", sagt sie, "auch wenn mir jedes Tier schnell ans Herz wächst und ich nur schwer Nein sagen kann."

Schön ist es daher, wenn Pferdebesitzer ihr Tier hier unterstellen und die Kosten für das Pferd weiter bezahlen, auch wenn sie es nicht mehr reiten können.

Sogar eine Patenschaft gibt es schon: Eine junge Frau übernimmt die Kosten für ein Pferd, um ihm einen schönen Lebensabend auf der Üllnitzer Ranch zu bescheren. Katja Böttcher würde sich über mehr Paten und Unterstützer für ihre Ponys und Pferde, die es so schwer hatten, freuen.

Wer den Gnadenhof unterstützen will, erreicht Katja Böttcher unter Telefon (0177)4863903.

   

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