Depressionen und Burn-out
Hauptsymptome einer depressiven Störung sind eine gedrückte, niedergeschlagene Gefühlslage, ein Verlust von Interessen und der Fähigkeit, sich zu freuen. Der Patient ist ohne Antrieb, muss sich überwinden, die Dinge des Alltags zu erledigen, ermüdet schnell und ist nur noch eingeschränkt aktiv. Für eine Diagnosestellung müssen diese Hauptsymptome und weitere depressive Symptome mindestens zwei Wochen lang fortwährend vorhanden sein. Depression ist der Hauptrisikofaktor für Suizid. In Deutschland versterben jährlich etwa 9000 Menschen durch Selbstmord. Bei 90 Prozent der Opfer bestand eine psychische Erkrankung, am häufigsten Depression. Eine frühzeitige Behandlung ist deshalb unumgänglich - und lebensrettend.

Burn-out hingegen ist keine eigenständige Diagnose. Vielmehr wird sie in Wissenschaftskreisen überwiegend als Form oder Vorstufe der Depression verstanden. Psychische Krankheiten werden noch oft geleugnet.

Quelle: Psychotherapeutenkammer

Magdeburg l Durchschnittlich neun Wochen fehlen Sachsen-Anhalter mit einer psychischen Erkrankung am Arbeitsplatz. Eine enorme Belastung für die Betroffenen, die Betriebe und nicht zuletzt die Krankenkassen. Bei Anlässen für Frühverrentungen liegen derartige Leiden ganz vorn. Gründe, warum sich die Barmer-GEK im diesjährigen Gesundheitsreport genauer mit seelischen Erkrankungen in Sachsen-Anhalt beschäftigt.

Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann hob bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Magdeburg hervor, dass das Land bei der psychischen Gesundheit den deutschlandweiten Spitzenplatz belegt. Im Vorjahr seien bei 26,7 Prozent der Erwerbstätigen psychische Erkrankungen diagnostiziert worden, zehn Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. Wiedemann sprach von einer "guten Versorgungsstruktur", aber auch von einem sehr "inhomogenen Bild". In Magdeburg, Halle und Dessau gebe es häufig andere Krankheitsverläufe als in den ländlichen Regionen.

Wolfram Rosendahl, Vizepräsident der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, konstatierte, dass sich die Versorgung verbessert habe, aber noch immer nicht ausreichend sei: "Im Land gibt es 277 niedergelassene Psychologische Psychotherapeuten, 170 Ärztliche Psychotherapeuten und rund 90 Psychiater." Dennoch gebe es Wartezeiten von bis zu 24 Wochen auf eine Erstbehandlung.

Wiedemann betonte, dass psychische Störungen aus Kassensicht "ein sehr intensives Krankheitsbild" und einen "hohen Kostenfaktor" darstellten. Festzustellen sei ein Unterschied zwischen Stadt und Land im Umgang mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Wiedemann: "Auf dem Land geht man nicht so schnell zum Therapeuten, das ist noch immer mit einem Stigma versehen." Auch wenn das Stressmoment verschieden sei, gilt: "Die Seele macht keinen Unterschied zwischen Stadt und Land."

Allerdings sind die Therapie-Möglichkeiten in den städtischen Zentren auch deutlich besser als in dünn besiedelten Landkreisen. Während in Magdeburg 30 und in Halle 28 Therapeuten auf 100000 Einwohner kommen, liegt der Wert in Anhalt-Bitterfeld bei 13,4.

Was psychische Störungen nach Berufsgruppen betrifft, zeigt der Report klare Abstufungen: Vorn liegen Sozialberufe (einschließlich Seelsorger!), es folgen Verkehrs-, Lager- und Metallberufe. Dahinter liegen geisteswissenschaftliche Berufe, Gesundheitsberufe und kaufmännische Tätigkeiten. Am unteren Ende der Skala rangieren Agrar- und Bauberufe und andere naturwissenschliche Tätigkeiten. Auf dem ersten Rang liegt aber die Gruppe, die gar nicht am Erwerbsleben teilnimmt: Arbeitslose leiden psychisch am stärksten.

 

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