Magdeburg (dpa) l Sie erklären Brettspiele auf Spanisch und singen mit den Kindern französische Wiegenlieder: Die Erzieher und Erzieherinnen in mehrsprachigen Kindertagesstätten haben viele Talente. Etliche Eltern wollen ihren Nachwuchs in eine dieser wenigen Einrichtungen im Land geben. Doch die Plätze reichen nicht. Ein Grund: Es mangelt Sachsen-Anhalt an geeignetem Fachpersonal, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Dabei gäbe es Lösungen.

"Mehrsprachige Kitas haben zunehmend Probleme, ihr Fachpersonal zu finden", sagt die Mitarbeiterin des Instituts "Bildung elementar", Franziska Jaschinsky, in Halle. Die Erzieher müssten nicht nur pädagogisch geschult sein und mit einem überschaubaren Gehalt auskommen, sondern auch noch eine Fremdsprache fließend beherrschen - oder gar Muttersprachler sein.

Viele Kitas kennen das Problem. Gebe es Muttersprachler, blieben diese oft nicht lange, sagt eine Sprecherin der Kita "Weltenbummler" in Halle. Denn im Land müssten sie bei den Behörden lange auf die Anerkennung als Fachkraft warten. Das dauere einigen zu lang. Sie zögen lieber in andere Bundesländer, wo sie schnell als gut bezahlte Fachkraft arbeiten könnten.

In vielen ländlichen Regionen fehlten Ausländer komplett, bedauert ein Sprecher der Europa-Kita in Gerwisch (Jerichower Land). Daher gebe es auch keine ausländischen Erzieher für die Stellen.

"Wir haben fünfmal so viele Bewerbungen wie Plätze."
Angelika Peßmer-Weber, Trilinguale Kita Magdeburg


Die französischsprachige Kita "Au Clair de la lune" in Magdeburg hat ein anderes Problem. Neben elf deutschen und einer französischen Erzieherin habe die Einrichtung noch zwei teure Sprachassistentinnen einstellen müssen, sagt die Geschäftsführerin des gleichnamigen Trägervereins, Katharina Dähne. Denn in Frankreich würden Erzieher auf Lehramt studieren, um Vorschulkinder ab zwei Jahren zu unterrichten. Die Kita in Magdeburg dürfe jedoch keine Lehrer beschäftigen. Daher brauche es Sprachassistenten, um die 75 Kinder trotzdem auf Französisch erziehen zu können.

Die Nachfrage nach den Plätzen ist immens. An der Trilingualen Kita in Magdeburg gebe es bis zu fünfmal so viele Bewerbungen wie Plätze, berichtete Leiterin Angelika Peßmer-Weber. Rund 80 Kinder gebe es derzeit an ihrer Kita. Bei den anderen Kitas sieht es ähnlich aus.

Nach Angaben des Sozialministeriums gibt es etwa ein Dutzend mehrsprachige Kitas im Land. Sie böten Englisch, Französisch und Spanisch an. Die meisten arbeiteten nach dem sogenannten Immersionsprinzip, erklärt Jaschinsky: Jede Erzieherin spricht nur eine Sprache. Dadurch entstehe keine Verwirrung bei den Kindern.

"Statt Engländern könnten Kitas Osteuropäer einstellen."
Franziska Jaschinsky, "Bildung elementar" in Halle

Einige Einrichtungen stellen ausländische Studenten ein. Doch diese sind nach dem Studium schnell wieder weg. Hilfreich wäre, wenn mehrmals in der Woche Muttersprachler in die Einrichtungen kämen, sagt Jaschinsky. Mehrere Kitas könnten gleichzeitig betreut werden.

Eine bessere Lösung seien Fachkräfte, die in Sachsen-Anhalt leben, so Jaschinsky. Statt Engländer oder Franzosen könnten die Kitas auch Erzieher mit osteuropäischen Wurzeln einstellen. Davon gebe es einige. Doch diese Sprachen seien einfach nicht gefragt - und das Problem bestehe fort.