Magdeburg l Seit 2009 hat sich das Bild über die wirtschaftliche Lage in Sachsen-Anhalt stetig verbessert. Allerdings ist die Stimmung von Kreis zu Kreis unterschiedlich.

Jeder Fünfte ist sehr zufrieden
Über die Hälfte der Befragten bewertet die wirtschaftliche Lage in Sachsen-Anhalt neutral, 27 Prozent stellen ihr ein positives Zeugnis aus und lediglich 17 Prozent beurteilen sie negativ.

Die eigene wirtschaftliche Lage, die Lebenszufriedenheit und die persönliche Zukunft bewerten Sachsen-Anhalter allerdings deutlich optimistischer. Fast zwei Drittel der Befragten schätzen ihre eigene wirtschaftliche Situation als "sehr" oder "eher positiv" ein, ähnliche Ergebnisse finden sich auch bei der Lebenszufriedenheit wieder. Jeder fünfte Bürger ist in Sachsen-Anhalt demnach sehr zufrieden, nur sieben Prozent der Befragten sind unzufrieden. Die Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation hängt stark vom Einkommen und dem Erwerbsstatus ab.

Negative Einschätzung vor allem in der Altmark
Das Meinungsbild variiert auch nach regionaler Herkunft und Kreiszugehörigkeit. Während in der Börde und in der Region Saale-Unstrut die wirtschaftliche Lage im Schnitt leicht positiv beurteilt wird, fällt die Einschätzung im Harz und vor allem in der Altmark negativ aus. Auch in den Kreisen sind die Menschen in der Börde am optimistischsten, in Mansfeld-Südharz dagegen wird die wirtschaftliche Lage am schlechtesten bewertet. Generell wird die regionale wirtschaftliche Lage in den kreisfreien Großstädten Magdeburg und Halle positiver eingeschätzt als auf dem Lande. In kleineren Kommunen gibt es aber Unterschiede. Während in den kleinen Dörfern die Lage als ausgewogen eingeschätzt wird, sieht das in mittelgroßen Gemeinden zwischen 2000 bis 5000 Einwohnern anders aus. Dort wird die wirtschaftliche Lage am pessimistischsten gesehen.

Unterschiede gibt es in den politischen Lagern. Am besten gestimmt sind Anhänger von CDU und SPD. Am wenigsten hoffnungsfroh schauen Anhänger der Liberalen in die Zukunft. Bei AfD-Sympathisanten dominiert ein geteiltes Bild: Die wirtschaftliche Lage des Landes wird als schlecht eingeschätzt, mit der eigenen Situation sind die meisten aber zufrieden. Bei den Grünen ist es genau umgekehrt.

Wer war besser: DDR oder BRD?
Auch der aktuelle Sachsen-Anhalt-Monitor bat die Befragten um einen Systemvergleich: Was war in der DDR besser, was im Westen? Das Neue: Die DDR punktet zwar immer noch mit einem besseren Sozialsystem, allerdings nahm die Zustimmung in den vergangenen Jahren ab. So waren 2009 noch 57 Prozent davon überzeugt, dass sie in der DDR sozial besser abgesichert waren - 2014 sind es nur noch 41 Prozent. Der Westen holt hier offenbar auf. Ein ähnliches Bild ergab sich beim Thema Kinderbetreuung. 2009 hielten noch zwei Drittel der Befragten DDR-Kindergärten für die besseren; inzwischen sagt das noch knapp die Hälfte. Unangefochten vorn liegt das sozialistische System in der Frage des persönlichen Umgangs miteinander. Hier meinen 70 Prozent, dass der Osten dem Westen überlegen sei. Der Westen siegt vor allem bei den Themen Freiheit, Wohlstand und Wirtschaft. Das geeinte Deutschland wird als wirtschaftlich leistungsstärker empfunden. Die Sachsen-Anhalter gaben zudem an, dass nun ein höherer Lebensstandard erreicht werden kann und es mehr persönliche Freiheiten gibt. Auch sei im Vergleich zur DDR ein beruflicher und sozialer Aufstieg besser möglich.

Verbundenheit sinkt
Die Verbundenheit mit Sachsen-Anhalt sinkt erstmals seit Jahren wieder. Zwischen 1995 und 2012 war das positive Heimatgefühl von 45 Prozent auf 78 Prozent gewachsen - nun fiel es auf 71 Prozent zurück. Vor allem jene, die vor zwei Jahren noch eine sehr starke Verbundenheit mit dem Bundesland gespürt haben, wurden weniger: Nur noch 19 Prozent der Befragen gaben dies an - 2012 waren es noch 29 Prozent. Stärker verbunden fühlen sich die Leute mit ihrem Ort und der Region. Gewachsen ist die Nähe zu Gesamtdeutschland und Europa.

Vertrauen in die Politik
Am stärksten vertrauen die Sachsen-Anhalter dem als überparteilich angesehenen Bundesverfassungsgericht. Ein Viertel der Befragten vertraut ihm sehr und ein weiteres Drittel weitgehend. Ein vergleichsweise hohes Vertrauen bringen die Sachsen-Anhalter auch ihren Bürgermeistern entgegen.

Auf den folgenden Plätzen rangieren die Landesregierung, der Landtag, die Bundesregierung und der Bundestag, die sich in der Bewertung kaum unterscheiden. Der Anteil der Befragten, der diesen Institutionen vertraut, liegt zwischen 35 und 39 Prozent. Bei den Landtagsabgeordneten halten sich Vertrauen und Misstrauen die Waage.

Was wird als größtes Problem angesehen?
Die Sachsen-Anhalter nehmen die Ukraine-Krise als das dringlichste Problem wahr. Der demografische Indikator "Überalterung und Kindermangel" steigt auf Platz zwei. Dicht danach, mit einer im Vergleich zu den Vorjahren stark verminderten Priorität, folgen gerechte Löhne, Arbeitslosigkeit und Finanzkrise in Europa.

Festigung der Demokratie
Die Zustimmung zur Idee der Demokratie ist auf hohem Niveau stabil. "Die Demokratie ist die beste aller Staatsideen" - dieser Aussage stimmen mehr als 60 Prozent der Sachsen-Anhalter ohne Einschränkung (39 Prozent) beziehungsweise eher (23 Prozent) zu. Diejenigen, welche die Demokratie grundsätzlich eher ablehnen, sind mit neun Prozent eine kleine Minderheit.

Willkommenskultur
Zweigeteiles Bild bei der Bewertung der Willkommenskultur: Eine große Mehrheit ist dafür, Flüchtlinge aufzunehmen; eine sehr deutliche Mehrheit hält Zuwanderung für ein taugliches Mittel gegen Fachkräftemangel. Doch zugleich würden sich in einem fiktiven Referendum rund 60 Prozent der Befragten für eine Verschärfung der Zuwanderungsgesetze aussprechen. Dabei sind es vor allem die Anhänger der EU-kritischen AfD, die zu über 90 Prozent für eine Begrenzung stimmen würden.

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