Magdeburg l Am Tag nach seiner Abfuhr in Münster und wutschnaubenden Kommentaren des Oberbürgermeisters über seinen heimlich geplanten Abgang aus Magdeburg hat Zoodirektor Kai Perret gestern das persönliche Gespräch mit Lutz Trümper gesucht. "Herr Perret war da und hat mir seine Beweggründe dafür erklärt, warum er Magdeburg verlassen wollte. Diese werde ich nicht kommentieren." Sie seien, wie Perret später gegenüber der Volksstimme einräumt, privater Natur. Trümper gibt zu Protokoll, dass Perret ihm versichert habe, seinen noch bis Ende 2016 laufenden Vertrag als Geschäftsführer der Zoo Magdeburg GmbH fortan ohne weitere Ausstiegsversuche erfüllen zu wollen. "Das nehme ich erst mal so hin." Einen Grund etwa zur Beurlaubung oder Kündigung von Perret sehe er nicht, so Trümper. Im Gegenteil gehe er davon aus, dass er den begonnenen Ausbau der Anlagen nun "für die nächsten zwei Jahre und zwei Monate" störungsfrei fortführe und damit seine vertraglichen Pflichten in Magdeburg erfülle.

Perret bleibt damit sozusagen Zoochef auf Bewährung, denn von der angekündigten Suche nach einem neuen Zoodirektor nimmt Trümper mitnichten Abstand. "Wir müssen jetzt nicht mehr hektisch reagieren, sondern können die Ausschreibung über längere Frist vorbereiten." Ein neuer Zoochef wird nunmehr erst ab 2017 gesucht; die Ausschreibung der Stelle wird voraussichtlich aber bereits im kommenden Jahr erfolgen. Da könne sich ja auch Perret wieder bewerben, sagte Trümper, ohne seine Chancen bei einer erneuten Wahl im Stadtrat bewerten zu wollen. Sie dürften heute allerdings auch kaum vorherzusagen sein. Perret seinerseits erklärte gestern auf Nachfage, dass er "definitiv" seine Bewerbung um die weitere Führung des Zoos einreichen werde und seine berufliche Zukunft nun wieder in Magdeburg sehe.

Trümper will zum Thema nun die Verständigung mit dem Zoo-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er selbst ist, und mit den Ratsfraktionen suchen. Während der Zorn des Stadtoberhauptes über Perrets versuchten Abgang mitten im von ihm erdachten Zooumbau gestern leicht verraucht, wenn auch längst nicht vergessen schien, gaben die drei Vorsitzenden der großen Magdeburger Ratsfraktionen CDU/FDP/BfM, SPD und Linke/Gartenpartei am Rande der gestrigen Sitzung unisono große Enttäuschung über Perrets Vorgehen zu Protokoll.

Die Internet-Gemeinde gießt auf Facebook überwiegend heftige Häme über Perret aus, hält das Scheitern seiner Bewerbung in Münster für eine logische Folge seines richterlich geahndeten Vergehens bei der Tötung von Tigerwelpen im Jahr 2008 und möchte ihn auch nicht länger als Magdeburger Zoochef in Amt und Würden wissen. Einige Kommentatoren nehmen Perret dagegen wegen seiner Verdienste bei der hiesigen Zooentwicklung in Schutz.

Kai Perret ist seit 2003 Zoodirektor in Magdeburg und wurde 2011 bis Ende 2016 im Amt bestätigt. Heimlich bewarb sich Perret allerdings um andere Aufgaben an anderen Orten. Am Mittwochabend erteilte der Stadtrat von Münster seiner Bewerbung um die dortige Zooführung auch wegen der Proteste von Tierschützern eine Absage. Bereits zuvor hatte sich Perret offenbar vergeblich in München beworben.