Magdeburg l Die "Bewerbung" ist elf Seiten lang, steckt in einer leucht-neon-orangenen Mappe und hat einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag gekostet, sagt Luisa Kittner, Projektmanagerin bei der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes (IMG). "Eine Magdeburger Werbeagentur hat die Idee entwickelt und ausgeführt", erzählt sie. Das Land wolle nun "über den Weg des Guerillas-Marketings" für Sachsen-Anhalt als Investitions- und Wirtschaftsstandort werben.

Unter den 500 Adressanten, die in den nächsten Tagen Post von der IMG erhalten, sind so bekannte Unternehmen wie Fielmann, Fressnapf, Ritter Sport, Haribo, die Spiele-Schmiede Ravensburger und der Staubsauger-Hersteller Vorwerk.

Die Firmen bekommen in der Mappe alles das zugeschickt, was auch zu einer echte Bewerbung gehört - nur kein Bewerbungsfoto. Warum nicht? Kittner: "Weil man das Land schlecht fotografieren kann, ohne dass sich jemand ausgegrenzt fühlen würde."

Dafür gibt es viele Texte. Im "Anschreiben" erklärt das Land mit einem Ausdruck von Bedauern: "Mein Name ist Sachsen-Anhalt. Mein Bekanntheitsgrad ist nicht proportional zu meiner wirtschaftlichen Entwicklung gestiegen." Im "Lebenslauf" nennt das Land unter "Hobbys" die Pflege von Kulturschätzen. Und führt unter "Besonderer Qualifikation" an, dass es "besonders bei ausländischen Direkt-Investitionen ein beliebter Standort" sei. Dies verwundert insofern, als das "Zeugnis" für den "Studiengang nationales und internationales Management" keine Zensur für Fremdsprachen auflistet. Vielleicht mag Sachsen-Anhalt keine Ausländer? "Da steht keine Fremdsprachen-Zensur, weil sich die Bewerbung nur an deutsche Unternehmen richtet", erklärt Luisa Kittner. Und "Sport" fehlt auch. Kittner seufzt: "Das ist doch eine Wirtschaftsbewerbung. Da ist nicht wichtig, wie sportlich Sachsen-Anhalt ist."

Stimmt. Mit nur einer olympischen Medaille 2012 und 2014 sind Vereine aus Sachsen-Anhalt so gesehen immerhin kein Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung. Und Bundesliga-Fußball wird auch völlig überschätzt.

Genauso wie das Internet. Denn wie sonst ist zu erklären, dass sich das Land im "Fach" Informations- und Kommunikationstechnologie eine "2" gegeben hat? Obwohl Sachsen-Anhalt bundesweit bei der Breitbandversorgung auf dem letzten Platz liegt?

In der Gesamtnote erreicht Sachsen-Anhalt das Prädikat "ausgezeichnet". Dennoch bleibt noch viel zu tun für Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU). Wenn er Zeit hat. Kittner: "Der Minister hat alle 500 Bewerbungen persönlich mit dem Füllhalter unterschrieben."

 

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