Magdeburg l Die Bilanz zum Ende der Nießbrauchfrist ist in Sachsen-Anhalt meist positiv. Doch nicht überall: Das Bismarck-Museum in Schönhausen muss weiter um 90 Ausstellungsstücke und zwei Kanonen bangen.

Die Zeit läuft. Nur noch wenige Tage haben Museen, Bibliotheken und Archive in Ostdeutschland Nießbrauchrecht an einem Teil ihrer Bestände. Es sind jene Bestände, die durch die Enteignungen der Bodenreform nach 1945 in Ausstellungen und Depots kamen und die nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben sind. Am 30. November endet die staatlich gewährte Frist.

Theoretisch ist es ab 1. Dezember möglich, dass Eigentümer ihre restituierten Werke direkt aus den Ausstellungen abholen. Praktisch wird das eher selten passieren, denn es ist in den vergangenen Jahren intensiv verhandelt worden. Schon vor einem Jahr war die Bilanz in Sachsen-Anhalt so, dass die bedeutendsten Bestände aus Privatbesitz angekauft worden waren oder als Leihgaben bewahrt werden. Einige wurden auch zurückgegeben.

Das Magdeburger Kunstmuseum konnte in diesem Jahr die Plastik "Zwölf Apostel und Evangelisten" von 1590 als Dauerleihgabe für seine Ausstellung sichern. Die Stiftung Dome und Schlösser kaufte im Sommer für das Kunstmuseum Moritzburg in Halle Franz Krügers Gemälde "August Neidhardt von Gneisenau im Kreis seiner Generäle" an - das vorletzte aus Bodenreform-Enteignungen. Beim Ankauf halfen die Kulturstiftung der Länder, Lotto-Toto und das Land. Das hat Anfang des Jahres 200000 Euro im Haushalt für solche Ankäufe eingestellt. Ausgeschöpft wurde das Budget bisher nicht. Selbst die "Königszimmer" im Schloss Wernigerode sind - nach langen, zähen und nicht immer einfachen Verhandlungen - seit einem Jahr für das Schloss und seine Besucher per Leihvertrag gesichert. Zumindest für die nächsten 20 Jahre.

Das sind nur einige Beispiele für erfolgreiche Einigungen im letzten Moment. Es wird weitere geben, denn nach Aussagen von Steffi Albrecht, Referatsleiterin im Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen, sind insgesamt 155408 Einzelobjekte mit einem Restitutionsbegehren belastet, 137303 sind bearbeitet. Für rund 20000 müssen Herkunft und Eigentumsverhältnisse noch geklärt werden. Dabei geht es nicht nur um Kunstobjekte, Archivalien und Bücher, sondern um alle sogenannten beweglichen Dinge, die vor knapp 70 Jahren enteignet wurden. Im Vergleich zu 2013 sind das immerhin 20000 Positionen weniger. Zu den erfolgreichen Fällen zählen auch Verhandlungen über Bestände des Landeshauptarchivs.

In Schönhausen müssen die Verhandlungen weitergehen. Denn wenn sie scheitern, würde das Bismarck-Museum 90 Exponate und zwei Kanonenrohre verlieren. "Wir verhandeln mit der Erbengemeinschaft, damit wir die Stücke zumindest zum 200. Geburtstag von Otto von Bismarck noch zeigen können", sagt Matthias Puhle, scheidender Abteilungsleiter im Kultusministerium Sachsen-Anhalt. Zu Bismarcks Geburtstag am 1. April 2015 werden bereits Ausstellungen und Veranstaltungen geplant.