Woran ich den Betrug erkenne
Geld nie als Vorleistung überweisen:
Wenn für irgendwelche Gewinne erst Geld für die angeblichen Auslagen verlangt werden, sollte man von einem Betrug ausgehen.
Höchste Vorsicht bei Überweisungen, vor allem ins Ausland: Geben Sie nie Ihre Kontoverbindungen oder persönlichen Daten heraus, auch wenn die Telefonnummer im Display einem seriös erscheint. Egal welche Geschichte einem aufgetischt wird, halten Sie immer Rücksprache mit einer Vertrauensperson. Spätestens wenn Bankeinzahlungen über Western-Union oder "Ukash" gefordert sind, sollten alle Alarmglocken schrillen.
Bei Behördenanrufen per Telefon: Staatsanwaltschaften und Polizeidienststellen würden über Telefon nie Geldforderungen stellen. Das erfolgt immer schriftlich. Erst recht, wenn es sich um Anschuldigungen handelt.

Magdeburg l Die 77-jährige Brigitte Sch. aus Magdeburg wird am Montagmittag von einer Staatsanwältin aus Frankfurt angerufen. Es liege eine Klage gegen sie vor, mit Forderungen von Mitspielgebühren. Die Mahnungen hätte die Magdeburgerin ignoriert, nun werde es ernst. "Weil ich tatsächlich mal bei einem seriösen Gewinnspiel mitgemacht habe, war ich verunsichert", sagt sie später. Die Seniorin schreibt sich aber die Telefonnummer vom Display ab.

Die angebliche Staatsanwältin zeigt sich hilfsbereit und sagt ihr zu, sie werde den Fall an die Verbraucherschutzzentrale in Magdeburg übergeben, bevor sie eine Vorladung für das Gericht herausschicke. Dann legt die Frau auf. Die Seniorin überprüft die Nummer. Sie gehört tatsächlich den Justizbehörden Frankfurt.

Nur 20 Minuten später erfolgt der nächste Anruf. Diesmal meldet sich eine Frau von der Verbraucherzentrale Magdeburg. Sie macht die Rechnung 3750 Euro Gebühren und 1250 Euro Gerichtskosten bis 16 Uhr einzahle, könne sie das Gerichtsverfahren verhindern.

Und noch einen weiteren Umstand erfährt die Magdeburgerin nebenbei. Die Gebühren werden fällig, weil sie einen Gewinn von 48280 Euro aus dem Jahr 2011 nicht abgerufen habe. Der werde nun hinfällig, wenn sie das Geld nicht auf ein türkisches Konto an Western-Union überweise. "Das sei aus steuerlichen Gründen nötig", sagt sie. Dann legt die Frau auf. Beim Rückruf landet die Magdeburgerin bei der echten Verbraucherzentrale, es geht der Anrufbeantworter an.

Es folgen weitere Anrufe, so dass die Frist auf Dienstag verlängert wird. Am nächsten Tag meldet sich sogar der angebliche Revierleiter aus Magdeburg und empfiehlt dringend das Geld zu zahlen, sonst müsste sie 10000 Euro zahlen. Inzwischen hat die Magdeburgerin ihren Lebensgefährten eingeschaltet. Der 78-Jährige droht dem Polizisten mit der echten Polizei, wobei dieser auflegt und nicht wieder anruft.

"Der Aufwand, den die Betrüger betreiben und gleich drei Instanzen in ihren Schwindel einbauen, ist enorm. Der Betrug am Telefon hat mit der Masche für Magdeburg eine neue Dimension erreicht", sagt Polizeisprecher Marc Becher.

Das "Spoofing", wie das Vortäuschen einer Telefonnummer heißt, ist indes kein neues Phänomen. Mit kleinen Internetprogrammen können Ganoven jede Telefonnummer vortäuschen.

Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamtes: "Das wird immer häufiger verwendet, um dem Angerufenen die Echtheit des Behördentelefonats vorzugaukeln." Die Ganoven nutzen dabei auch Callcenter im Ausland. Es gebe die Masche in vielen abgewandelten Formen. "Die erbeuteten Beträge der Banden gehen oft in die Millionen", so von Koß.