Magdeburg l Es ist in der Nacht um 4 Uhr, als die Polizei bei Martina Targé an der Tür klopft. Ungläubig öffnet die 50-jährige Kindergartenleiterin nach ihrer Geburtstagsfeier und glaubt zunächst an einen schlechten Scherz. Die Beamten erklären aber, dass ihr Kindergarten so zerstört ist, dass er vorerst nicht mehr öffnen kann.

"Ich habe schon eine Menge erlebt, aber so etwas nicht", sagt sie wenig später, als sie in den verwüsteten Räumen steht. Spielsachen, Puppen und Schränke sind über den Boden verstreut. Auf dem Parkett stehen Pfützen - die Täter hatten in den Gruppenräumen alle Wasserhähne aufgedreht. Einige Scheiben sind mit einer Axt eingeschlagen.

In der Kita herrscht in den folgenden Stunden Ausnahmezustand. Die Eltern der rund hundert Kinder werden angerufen, sie müssen die Mädchen und Jungen des Kindergartens "Klusweg" in Neu-Olvenstedt woanders unterbringen. Martina Targé: "Das Verständnis der Eltern ist zum Glück groß. Viele wollten sogar gleich mit anfassen." Die Mitarbeiter der Evangelischen Jugendhilfe leisten aber selbst etwas, woran zum Anfang kaum einer glauben mochte. Der Kindergarten kann am heutigen Dienstag wieder öffnen. Zwar ohne Gitarren und mit weniger Spielsachen, aber mit sauberen Räumen.

Und eine Erfolgsmeldung der Polizei: Das Einbrecher-Trio im Alter von 17 und 19 Jahren ist gefasst. Gegen zwei von ihnen liegt schon ein Haftbefehl wegen räuberischen Diebstahls und Sachbeschädigungen vor. Beide werden in die Jugendanstalt Raßnitz gebracht.

In den Vernehmungen zeigt sich das Trio geständig, ließ aber ein Motiv nicht erkennen. Die Jugendlichen standen weder unter Alkohol- noch Drogeneinfluss. Dennoch gerieten sie in einen Zerstörungsrausch, der selbst für erfahrene Polizisten in dem Ausmaß selten ist: Mit zwei gestohlenen Feuerlöschern aus dem Kindergarten zogen sie zur nächsten Straßenbahnhaltestelle, zerstörten eine elektronische Anzeige (20000 Euro), warfen ein Fahrrad in die Dachkonstruktion des Wartehäuschens und entleerten die Feuerlöscher in einer Straßenbahn. "Die wird in den nächsten Tagen nicht einsatzbereit sein", sagt Tim Stein, Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Der Fahrer der Bahn hatte zwar um 1.15 Uhr den Notruf gewählt, doch die Täter waren da schon weitergezogen. Sie schlugen dann an einem Auto die Scheibe ein und traten gegen eine Supermarkttür, wodurch der Alarm ausgelöst wurde. Den ermittelnden Polizisten an der Haltestelle riefen sie provozierend zu: "Kommt doch!" Das taten sie auch und fassten zumindest einen. Den zweiten hatten Beamte gegen 4.30 Uhr auf einem Fahrrad gestoppt, weil er ohne Licht fuhr. Er ging mit einem Knüppel auf die Beamten los und brach einem von ihnen den Finger. Den dritten Täter konnte die Polizei am Vormittag festnehmen.

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