Salzwedel l Mit einem Pilotprojekt will sich die evangelische Kirche in der Altmark auf die weiter sinkende Zahl von Mitgliedern und schrumpfende Einnahmen vorbereiten. Bis zum Oktober des kommenden Jahres soll eine Zukunftskonferenz im Kirchenkreis Salzwedel neue Ansätze entwickeln. Mit den bisherigen Rezepten jedenfalls, sagt Konferenz-Organisator Jochen Heinecke, komme die Kirche nicht weiter.

Bislang habe man stets versucht, die bestehenden Strukturen mit immer weniger Geld so gut es ging zu erhalten. "Jetzt aber fragen wir uns: Was wollen wir eigentlich? Was können wir richtig gut, was haben wir für Schätze?" Dieser Perspektivenwechsel ist für Heinecke der erste Erfolg des Beratungsprozesses.

Der gebürtige Thüringer hat gerade eine halbe Stelle als Gemeindepfarrer in der Nähe von Gardelegen angetreten und betreut zugleich den Zukunftskongress. Bei einem ersten Treffen kamen 85 Engagierte aus dem Kirchenkreis im Gardelegener Gymnasium zusammen. "Wir haben uns bewusst außerhalb unserer Kirchenmauern getroffen", sagt Heinecke. Unter den mitgliederschwachen christlichen Gemeinden Ostdeutschlands haben es die Altmärker besonders schwer. Selbst kleinste Dörfer haben oft eine eigene Kirche, deren Unterhalt Geld kostet.

Bis zu 27 Kirchen gehörten zum Bereich eines Pfarrers, sagt Superintendent Matthias Heinrich. Und es kommt noch schlimmer: Der Kirchenkreis hat durchrechnen lassen, wie die Lage in zehn Jahren aussieht. Von "gravierenden Einschnitten" spricht der Superintendent. Wie viele der jetzt 24000 Gläubigen dann noch übrigbleiben und wie viele Pfarrer, will er nicht sagen. "Wir haben diese Zahlen in die Schublade gesteckt, weil wir uns nicht entmutigen lassen wollen", sagt Heinrich.

Ermutigend findet er, wie viele Menschen mit sehr verschiedenen Perspektiven den Zukunftskongress mitgestalten. Mit diesem könnte die westliche Altmark zum Vorreiter innerhalb der mitteldeutschen Landeskirche (EKM) werden. Konkrete Empfehlungen haben die Konferenzteilnehmer allerdings noch nicht beschlossen. "Wir brauchen auf jeden Fall eine Konzen-tration auf das, was lebt", sagt Organisator Heinecke. Die Kirche müsse sich lösen vom Gedanken, vor allem für andere attraktiv zu sein, etwa beim Gottesdienst. "Wir sollten uns fragen, was der Gottesdienst uns selbst bedeutet - wenn wir da Antworten finden, wird das auch nach außen abstrahlen."

Auch in der Landeskirche Anhalts gab es jüngst die Forderung, künftig stärker die treuen Mitglieder in den Blick zu nehmen.