Woraus sich die Informationen für den Verkehrsfunk zusammensetzen

1. Die offiziellen Informationen der Polizei

Diese laufen elektronisch im bundesweiten "Tic" (Traffic Info Center) ein. Die Informationen sehen zeitgleich Radiosender und andere registrierte Nutzer. Bundesweit sind das durchschnittlich 700 bis 900 Meldungen, in Sachsen-Anhalt bis zu 30.

2. Hörer als Staumelder

Fast alle Hörfunksender bieten kostenlose Hotlines an, um schnell Staus oder Blitzer melden zu können. Diese Informationen gehen über den Funk und werden zeitgleich von der Polizei überprüft. Eine Hörer-Information kann so auch zur Information im "Tic" werden.

3. Online

Verkehrsinformationsdienste liefern Daten, die sich aus den anonymen GPS-Meldungen von Mobilfunkbetreibern ergeben. So hat der Navigationsgerätehersteller TomTom zusammen mit dem Mobilfunkanbieter Vodafone ein System entwickelt, das eine Überwachung des Verkehrsflusses ermöglicht. Ähnlich ist es auch bei Google Maps, das auf anonyme Informationen der Android-Handys zurückgreift. Auch Audi und BMW haben seit 2011 ähnliche Online-Systeme, die auf eigene Informationen aus den SIM-Karten zurückgreifen. Weitere Datenquellen sind Straßensensoren und Automobilclubs mit eigenen Verkehrsinformationsdiensten.


Was haben Sie schon mit Staumeldern erlebt? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte an leserpost@volksstimme.de

Magdeburg l Verkehrschaos in Magdeburg. Die Bundesstraße 1 ist mal wieder wegen eines Unfalls auf der Baustellenbrücke der A2 dicht. Ein ganz normaler Tag für Ulf Sommer, Kommissar des Lagedienstes im Innenministerium. Er sieht auf seinen Bildschirm und ahnt von dem Stau draußen nichts. Dabei sitzt er eigentlich an der Informationsquelle der täglichen Warnmeldungen. Ganze drei aus Sachsen-Anhalt sind an diesem Morgen im System "Tic", bundesweit stehen 760 in der Liste.

"Tic" steht für Traffic Info Center (Verkehrsinformationszentrum) der Bundesländer und ist in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Hier laufen alle Warnmeldungen aus den Polizeidienststellen aus ganz Deutschland ein.

Die Landeseingabestelle für Sachsen-Anhalt befindet sich im Innenministerium. Sommer: "Dass Meldungen ungenau oder alt sind, kann verschiedene Ursachen haben. Wenn wir zum Beispiel Personen auf der Autobahn gemeldet bekommen, schicken wir zeitgleich zur herausgegebenen Warnung einen Funkstreifenwagen los. Der muss die Personen finden, bis zur Rückmeldung kann es dauern." In der Zwischenzeit fahren aber Hunderte an der Stelle vorbei und sehen möglicherweise niemanden. "Dabei muss die Information nicht falsch sein, aber manchmal löst sich eine Gefahr schneller in Luft auf, als sie bestätigt werden kann", so Sommer.

Stauwarnungen per Mobilfunkdaten


Radiosender bauen sich zudem für ihren Verkehrsfunk neben den offiziellen Warnmeldungen aus dem "Tic" auch ihr eigenes Informationssystem auf. Hörer teilen zum Beispiel über eine kostenlose "Staumelder-Hotline" ihre Beobachtungen auf der Straße mit.

Marco Weigelt, Verkehrsreferent im Innenministerium und Polizeioberrat: "Wir stehen deshalb mit den Sendern im ständigen Kontakt und versuchen, die Informationen auch schnell zu bestätigen." Ähnlich sei es bei den Straßenwetterwarnungen. Die regionalen meteorologischen Vorhersagen zu Glätte oder Nebel würden entsprechend vor einer offiziellen Meldung an das Tic-System von den in Einsatz befindlichen Polizeifahrzeugen regional überprüft.

"Es fehlt an einer gemeinsamen Datenbereitstellung. Jeder kocht sein eigenes Süppchen."
- Dr. Jan Krause, Verkehrsexperte

Für Stauwarnungen greifen Radiosender inzwischen auch auf Online-Verkehrsinformationssysteme zurück. Diese basieren auf der Auswertung anonymisierter Daten der Mobilfunknutzer bzw. Navigationssysteme. Über einen solchen sogenannten "Stauscan" verfügt zum Beispiel Radio Brocken. Sprecher André Gierke erklärt: "Wir haben in Sachsen-Anhalt exklusiv einen Zugriff auf das TomTom-System HD Traffic, das Daten aus Vodafone-Handys und Geräten in Lkw ausliest." Dadurch könnten über 150.000 Standort-Daten pro Stunde ausgelesen und ein Bewegungsraster erstellt werden. Verzögerungen im Stau könnten so bis zu einer viertel Stunde genau berechnet werden.

Staudaten jetzt öffentlich zugänglich


Aber erst die Masse der automatisierten Datenquellen bringt den Erfolg. Aus diesem Grund wird gerade in diesem Bereich am Institut für Automation und Kommunikation (Ifak) in Magdeburg sehr intensiv geforscht. Dr. Jan Krause, Verkehrsexperte am Ifak: "Das ist ohnehin das größte Problem bei den Stauwarnungen. Es fehlt an einer gemeinsamen Datenbereitstellung. Jeder kocht sein eigenes Süppchen."

Ein gemeinsamer sicherer Pool, aus dem sich alle bedienen können, sei deshalb wichtig. Bei den Baustellen-Informationen ist das seit diesem Jahr zumindest in Sachsen-Anhalt bereits der Fall. Landkreise, kreisfreie Städte, die Landesstraßenbaubehörde für Bundesstraßen und Autobahnen - all diese Behörden stellen Sperr-Genehmigungen für Baustellen aus.

Ein öffentlicher Zugang existierte zu diesen Informationen bisher nicht. "Das ist jetzt mit dem \\\'Mobilitäts Daten Marktplatz\\\' (MDM) anders", sagt Krause. Alles wird auf diesem Portal zusammengefasst. Sachsen-Anhalt sei in dem von der Bundesanstalt für Straßenwesen betriebenen System Vorreiter. Viele Länder hätten noch Nachholbedarf.

Störungsmeldungen vom intelligenten Leitkegel


Den digitalen Marktplatz könnten ab sofort mit einem kleinen Zusatzprogramm jeder Navigationsgerätehersteller und Radiosender gleichermaßen nutzen. Die Daten selbst werden im Allgemeinen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ifak-Verkehrsexperte Krause: "Der beste Weg zum Ausschließen von Fehlerquellen bleibt die Automatisierung. Daher haben wir uns mit verschiedenen Projekten dem Thema genähert." So soll zum Beispiel ein intelligenter Leitkegel künftig bei Baustellen und Unfällen über das Mobilfunkdatennetz die Störung automatisch melden. Wenn der Kegel von Bauarbeitern, der Polizei oder der Feuerwehr auf die Straße gestellt wird, löst der Sensor automatisch ein Signal aus und meldet die entsprechende Störung über Mobilfunk an den Zentralrechner.

Der Prototyp für den Leitkegel ist bereits fertiggestellt. Nach den ersten Schätzungen dürfte er mit 60 Euro etwa doppelt so teuer sein wie ein herkömmlicher und steht im nächsten Jahr vor der Serienreife.

 

Bilder