"HoGeSa" - was ist das?

Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa): Eine bundesweit agierende Aktionsgruppe aus dem Hooliganumfeld, die sich nach eigenen Angaben gegen den Salafismus in Deutschland wendet. Bis zur ersten Großdemonstration von 4800 Teilnehmern am 26. Oktober in Köln agierte die Gruppe im Internet. Bei der Demo gab es schwere Ausschreitungen, bei denen 59 Polizisten verletzt und mehrere Einsatzfahrzeuge beschädigt wurden. 17 Verdächtige wurden festgenommen, davon einer aus Magdeburg. In Hannover kam es am vergangenen Wochenende hingegen zu keiner Ausschreitung. Bis zu 3000 Teilnehmer folgten dem Aufruf.

Sachsen-Anhalt: Rund 340 Personen werden in der Datei "Gewalttäter Sport" geführt. Der Verfassungsschutz zählt aktuell rund 1400 Rechtsextreme und Neonazis im Land.

Halle/Magdeburg l Rechtsradikale und die Bewegung "HoGeSa" haben im Internet eine Demonstration für den 5. Dezember im Stadtteil Silberhöhe in Halle angekündigt. Sie richtet sich gegen angebliche "Islamisierung, Zigeunerplage und den Asylantenwahnsinn", wie es wörtlich heißt.

Im Wohngebiet Silberhöhe leben viele Sinti und Roma. Es gab bereits zahlreiche Anfeindungen und Schmierereien. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt kennt den Aufruf, hat aber keine Information dazu, wie ernst er zunehmen ist. Eine Anmeldung gibt es noch nicht, sagte am Dienstag Ulrike Diener von der Polizeidirektion Süd.

Rechte im Land agieren vor allem im Internet


Die Einschätzung der Lage wird vor allem für die Sicherheitsbehörden immer schwieriger. "Die Rechtsradikalen haben ihre Aktivitäten in Sachsen-Anhalt fast ausschließlich ins Internet verlegt", erklärt Jochen Hollmann, Leiter des Verfassungsschutzes. Die entscheidende Frage, wann und ob sie überhaupt in die Realität ziehen, bleibt offen.

So war es auch mit der HoGeSa-Bewegung vor dem 26. Oktober in Köln. Sie gab es bis zu diesem Zeitpunkt auch nur im Netz und trat überraschend mit 4800 Teilnehmern offen zu Tage. Inzwischen ging am vergangenen Wochenende eine zweite Kundgebung mit deutlich weniger Teilnehmern und einem massiven Polizeiaufgebot in Hannover zu Ende.

Doch wie wahrscheinlich ist eine Kundgebung in Sachsen-Anhalt? David Begrich, Extremismus-Experte des Vereins Miteinander sieht dafür im Moment noch kein Potenzial: "Wir haben zwar das Klientel. Die Szene hat aber längst nicht die Mobilisierungskraft."

Rechtsextreme Übergriffe auf Sorben in Sachsen


Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt in Magdeburg vermutet seit Monaten Überschneidungen der Rechten Szene mit Gewalttätern aus dem Sport. Aus diesem Grund wird im Projekt "Stadion" genau dieses Potenzial ermittelt. Karl-Albert Grewe, Leiter des polizeilichen Staatsschutzes im Landeskriminalamt: "Wir wollen feststellen, wie groß die Übereinstimmungen sind und welche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr folgen müssten."

Probleme, wie in Sachsen gibt es zumindest im nördlichen Sachsen-Anhalt aber nicht. Ermittler in der Oberlausitz beobachten, dass Rechtsextreme dort gezielt junge Sorben angreifen. Nach Angaben des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei (OAZ) wurden auf sorbischen Straßenschildern Hakenkreuze, Davidsterne und anderes geschmiert.

Derzeit ist die Polizei verstärkt bei Abendveranstaltungen im Raum Bautzen unterwegs, bestätigt Kathleen Doetsch vom OAZ. Die Übergriffe machten bundesweit unter "Hooligans gegen Sorben" Schlagzeilen. Überschneidungen hätten Ermittlungen bislang aber nicht ergeben, so Doetsch.

HoGeSa gilt eher als ein Sammelbecken


Sich bei den Demonstrationen auf Hooligans zu beschränken, hält der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, für falsch: "HoGeSa ist keine politische Bewegung, sondern Sammelbecken von Rechten, Rassisten und eher einfach gestrickten Schlägern, die in der Vergangenheit aus den Stadien gedrängt wurden, weil die Vereine viel Fanarbeit geleistet haben." Im Ergebnis werde "HoGeSa" kein dauerhaftes Phänomen bleiben.

Auch in Chemnitz ist am Sonnabend eine Demonstration geplant. Parallel wird in Völklingen das Netzwerk "Saarland gegen Salafisten" demonstrieren.