Ohne Schulabschluss

Seit 2005 gehen die Gefangenenzahlen im Jugendvollzug zurück. 2012/13 waren in Raßnitz noch durchschnittlich 244 junge Gefangene untergebracht, die eine Jugendstrafe verbüßten. 2008/09 waren es noch durchschnittlich 307.

2012 wurden 170 junge Männer aus der Strafhaft entlassen, 73 davon vorzeitig, weil von ihnen keine weiteren Taten erwartet wurden. Die Quote der vorzeitig Entlassenen lag bei 43 Prozent, 2013 bei 37 Prozent. Einen Großteil der Taten machen Gewaltstraftaten (rund 46 Prozent) und Eigentumsdelikte (ca. 26 Prozent) aus. Schwarzfahren ist auch oft vertreten. Der Großteil der inhaftierten jungen Männer ist bei Strafbeginn 20 Jahre alt (knapp 70 Prozent).

Es gibt nur rund zehn Prozent Gefangene zwischen 14 und 17 Jahren. Kaum jemand hatte einen Schul- oder Berufsabschluss.

Magdeburg l Die Zahl der jugendlichen Straftäter ist in Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren stetig zurückgegangen. 2012/2013 war die Jugendanstalt Raßnitz (Saalekreis) noch mit durchschnittlich 244 jungen Gefangenen belegt. 2010/2011 waren es noch 269 gewesen, im Jahr zuvor sogar 307. Hauptgrund für den Rückgang sei der demografische Wandel, sagte Justizministerin Angela Kolb (SPD) am Dienstag in Magdeburg.

Jungtäter kommen künftig nach Raßnitz

Die Kapazität in Raßnitz liegt bei 382 Haftplätzen. Kolb will in Zukunft auch Gefangene bis 25 Jahre, die nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurden, in der Jugendanstalt unterbringen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Freiheitsstrafe weniger als zweieinhalb Jahre beträgt. Diese sogenannten Jungtäter sollen getrennt von den Jugendlichen untergebracht werden, aber auch von den Möglichkeiten der Anstalt profitieren, sagte die Ministerin.

Laut Kolb stehen für die Jungtäter rund 50 Haftplätze zur Verfügung. Landesweit gebe es mehr als 100 Gefangene in dieser Altersklasse. Die "ganz schweren Jungs" sollten nicht nach Raßnitz kommen.

Im Gegensatz zum Vollzug bei den Erwachsenen steht für die Jugendlichen nicht die Strafe im Vordergrund, sondern der Gedanke der Erziehung. Sie sollen zum Beispiel einen Schulabschluss nachholen, eine Berufsausbildung machen, zudem gibt es ein Therapie- und Beratungsangebot.

Gefangene durch Schulden und Drogen belastet

Die Justizministerin sagte, dass viele der jungen Strafgefangenen Drogen nehmen, wenn sie die Haft antreten. Dazu gehörten Marihuana und Kokain. Gegenwärtig gebe es eine "deutliche Tendenz" zum Missbrauch der Modedroge Crystal. In der Jugendanstalt waren zuletzt sechs ausgebildete Suchtkrankenhelfer tätig.

Justizministerin Kolb sagte, dass fast alle Gefangenen Schulden hätten - vor allem bei Miete, Handy und Versandhandel. In der Jugendanstalt gebe es daher ein großes Beratungsangebot, Anti-Gewalt-Trainings und seit etwa einem Jahr eine sozialtherapeutische Abteilung, in der es spezielle Angebote für Gewalt- und Sozialstraftäter gibt.

Krankenstand hat sich erhöht

In Raßnitz arbeiten knapp 200 Bedienstete. Ein Problem ist der hohe Krankenstand. Dieser lag 2010/2011 in Durchschnitt bei 18,4 Tagen pro Bediensteten. 2012/2013 erhöhte sich der Krankenstand bereits auf 20,5 Tage je Bediensteten. Das Ministerium führt dies auf steigende psychische Belastungen und auch das hohe Durchschnittsalter der Bediensteten in Raßnitz zurück. Damit steige die Zahl schwerer und längerfristiger Erkrankungen.

Das Durchschnittsalter der Bediensteten liegt in der Jugendanstalt bei 45 Jahren.