Der Kassenbon zeigt\'s

Die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) und die Handelskette Edeka haben in drei Märkten in Magdeburg, Halle und Köthen insgesamt 562 Kunden nach ihren Kaufkriterien befragt.

In einem zweiten Schritt wurden die Kassenzettel der Kunden ausgewertet, aus denen hervorgeht, welche Artikel tatsächlich gekauft wurden. Insgesamt kauften die 562 Kunden 8240 Produkte ein. Nur sechs Prozent der Artikel stammen aus Sachsen-Anhalt, lediglich drei Prozent aus den anderen Ost-Bundesländern.

Magdeburg l Getränke, Fleisch, Obst und Gemüse kaufen Kunden am liebsten, wenn sie aus der Region kommen, behaupten viele. Eine Untersuchung der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) und der Handelskette Edeka belegt nun, dass das ein Trugschluss ist.

562 Kunden in Magdeburg, Halle und Köthen sind in der Studie zunächst nach ihren Kaufkriterien befragt worden. Die Ergebnisse: 73 Prozent geben an, dass sie grundsätzlich auf regionale Produkte achten. Für die Kunden hat Regionalität sogar einen noch größeren Stellenwert bei frischen Gütern als Obst und Gemüse. Hier erklären 80 Prozent, dass sie Spargel oder Grünkohl lieber vom hiesigen Bauern kaufen.

Doch schon bei Süßigkeiten, alkoholfreien Getränken und Bier spielt regionale Verbundenheit kaum noch eine Rolle. Bei den Waren schauen überhaupt nur 27 bis 35 Prozent nach, wo sie herkommen.

Nur sechs Prozent der gekauften Waren aus Sachsen-Anhalt

In der Untersuchung wurde nicht nur nach Kaufkriterien gefragt, sondern in einem zweiten Schritt geschaut, wo Kunden im Markt tatsächlich zugreifen. Die Ergebnisse sind für regionale Produzenten ernüchternd: Nur sechs Prozent der mehr als 8000 gekauften Waren stammen aus Sachsen-Anhalt. Der Anteil von Waren, die aus anderen Ost-Bundesländern kommen, lag sogar nur bei drei Prozent.

Obwohl zum Beispiel 67 Prozent der Kunden erklären, sie würden Wurst aus der Region bevorzugen, kaufen tatsächlich nur 23 Prozent welche ein. Noch schlechter der Wert für Eier: 66 Prozent sagen, sie wollen solche aus der Region, acht Prozent greifen tatsächlich zu.

"Zwischen dem Denken und Handeln gibt es beim Verbraucher einen erheblichen Widerspruch", erklärt Thomas Lange von der AMG Sachsen-Anhalt. "Wenn Kunden vor dem Warenregal stehen, vergisst die Mehrheit von ihnen den Griff nach regionalen Produkten."

Dem Kunden ist der Preis wichtig

Lange zufolge ist es für die Kunden am Ende dann doch wichtiger, dass der Preis stimmt. "Sie greifen häufig zu günstigeren Handelsmarken, auf denen die Herkunft nicht verzeichnet ist." Edeka-Sprecherin Alexandra Antonatus bestätigt die Einschätzung Langes. "Der Kauf im Markt entscheidet sich oft sehr spontan am Regal, das Preis-Leistungsverhältnis spielt dabei eine wichtige Rolle", erklärt sie.

Edeka wolle aber regionale Anbieter weiter fördern. "Wir möchten, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt", betont Antonatus. "Wir arbeiten eng mit regionalen Lieferanten im Umkreis von 30 Kilometern um die Märkte herum zusammen." Das Edeka-Center in Magdeburg, in dem die Umfrage gemacht wurde, bietet derzeit mehr als 30000 Artikel an. 5000 kommen aus den Ost-Bundesländern. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe die Handelskette Verträge mit 130 neuen Lieferanten aus dem Osten geschlossen.

Neben dem Preis spielt bei Verbrauchern aber auch die Bekanntheit von Produkten eine Rolle. Nur die wenigsten Anbieter in Sachsen-Anhalt und in den anderen Ost-Bundesländern können sich Fernseh-Werbung leisten. Edeka hilft kleinen Firmen deshalb: "Wir unterstützen die Lieferanten mit unserer Kennzeichnung am Regal, der Infotafel mit allen Lieferanten im Markt sowie der Werbung in unseren Handzetteln", erklärt Antonatus.