Halle l Das Kinderförderungsgesetz von Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) zeigt Wirkung: Weil seit August vergangenen Jahres auch der Nachwuchs arbeitsloser Eltern wieder Anspruch auf Ganztagsbetreuung hat, ist die Quote der Kinder, die mindestens sieben Stunden am Tag betreut werden, von 44,8 auf 54,6 Prozent gestiegen. "Es war richtig, die Chancengerechtigkeit wieder herzustellen", betonte Bischoff am Montag. Das Gesetz helfe Eltern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Sechs Dreijährige kommen auf eine Erzieherin


Wie das Statistische Landesamt mitteilte, bleibt Sachsen-Anhalt weiterhin ein Vorbild für alle anderen Bundesländer: So ist die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die in Kindertagesstätten oder in der Tagespflege betreut werden, seit 2013 um 100 auf knapp 30.000 gestiegen. Mit einer Betreuungsquote von 58,3 Prozent ist Sachsen-Anhalt erneut Spitzenreiter. Vorbildlich ist auch die Betreuungsquote von 95 Prozent bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Derzeit werden 138.000 Jungen und Mädchen betreut.

Bischoff wies darauf hin, dass die befürchteten Personalengpässe bei Erziehern ausgeblieben seien. Derzeit kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um sechs Kinder unter drei Jahren. Bei den Zwei- bis Achtjährigen liegt das Verhältnis bei eins zu elf. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern werden in Sachsen-Anhalt hauptsächlich Fachkräfte in den Kitas beschäftigt. Insgesamt arbeiten derzeit mehr als 18.000 Personen in den 1.773 Kindertageseinrichtungen im Land.

Land gibt 226 Millionen Euro für Betreuung aus


Verbessert haben sich im vergleich zum Vorjahr auch die Öffnungszeiten der Einrichtungen. Die meisten Tageseinrichtungen (1702) öffnen mittlerweile vor sieben Uhr und schließen bis 18 Uhr. So ist fast in jeder Kita eine Ganztagsbetreuung möglich.

Billig ist die Kinderbetreuung allerdings nicht. In diesem Jahr gibt das Land pauschal 226 Millionen Euro aus, etwa 113 Millionen Euro müssen die Kommunen beisteuern. Damit sind die Kosten aber noch nicht ganz gedeckt. Die Eltern müssen Betreuungsgebühren zahlen, die landauf, landab je nach Finanzlage der jeweiligen Kommune erheblich schwanken. Im kommenden Jahr muss das Land noch tiefer in die Tasche greifen: für 2015 plant es mit 252 Millionen Euro. Bischoff hofft, dass sich die Investitionen auszahlen. "Für junge Leute ist eine gute Kinderbetreuung ein wichtiger Anreiz, in Sachsen-Anhalt zu bleiben und hier zu arbeiten."

Der Minister will nun die Qualität der Betreuung für Kinder weiter erhöhen. Sie sollen unter anderem eine bessere Sprachausbildung erhalten.

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