Ob ein Phishing-Opfer sein Geld von der Bank zurückerhält, wie im Fall des Stendaler Ehepaares geschehen, obliegt oftmals erst der gerichtlichen Klärung. Der Kunde haftet für Schäden durch Betrug nur bis 150 Euro, heißt es in einer europäischen SEPA-Richtlinie, die der deutsche Gesetzgeber 2009 in nationales Recht umgesetzt hat (Paragraph 675v Bürgerliches Gesetzbuch), sagte Oliver Struck von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Voraussetzung ist nach Gesetzeslage allerdings, dass der Kunde nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Und genau das sehen Gerichte im konkreten Einzelfall sehr unterschiedlich. Sie entschieden mal für den Kunden und mal gegen ihn. (wbi)

Stendal l Dass das Online-Banking vom heimischen Sofa aus große Gefahren bergen kann, musste ein Stendaler Ehepaar in diesem Sommer leidvoll erfahren. Eine Gaunerbande räumte eine fünfstellige Summe von ihrem Konto ab. Derzeit wird dieser Fall am Landgericht Osnabrück verhandelt, zusammen mit weiteren 16 Anklagen.

Acht Angeklagte im Alter von 25 bis 51 Jahren müssen sich seit September in einem groß angelegten Prozess vor der 15. Großen Strafkammer am Landgericht Osnabrück wegen gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetruges verantworten. Im großen Stil sollen sie laut Anklage bundesweit per "mTAN-Phishing" Konten von Kunden einer großen deutschen Bank geplündert haben. Bei den angeklagten 17 Taten geht es um knapp eine Million, davon sollen rund 670000 Euro in bar abgehoben worden sein.

Der Ehemann soll in dieser Woche als Zeuge vor Gericht aussagen. Das über Jahre ohne jedes Problem ausgeübte Online-Banking per Computer und Handy hat das Paar umgehend aufgekündigt. Noch heute ist den Eheleuten nicht wirklich klar, wie die Gauner an ihr Geld gekommen sind, sagten sie der Volksstimme. Einer Schuld sind sie sich nicht bewusst. Ihren Angaben zufolge sind sie auch nicht sorglos mit ihren Daten umgegangen.

Eines Tages hatten sie bemerkt, dass ohne ihr Zutun Geld von einem ihrer Spar-Konten aufs Giro-Konto gebucht worden war. Als sie das der Bank gemeldet hätten, sei das Geld noch auf ihrem Giro-Konto gewesen, beteuern sie. Kurze Zeit später war es aber weg. Dazu sei plötzlich der Zugang zu ihrem Handy gesperrt gewesen. Das Ehepaar hat sein Geld erst nach monatelangem Warten und nur nach Zuhilfenahme eines Anwalts - kommentarlos - von der Bank zurück erhalten.

Gauner spähten SMS der Kunden aus


Zum Prozess: Den acht Angeklagten wird vorgeworfen, sich ab Mitte vorigen Jahres in wechselnder Beteiligung zusammengeschlossen zu haben, um an Guthaben von Kunden einer bestimmten Bank zu kommen. Unbekannt gebliebene Mit- oder Vortäter sollen über eine Schadsoftware ("Trojaner") die Kontodaten der Opfer ausgespäht haben, die das "mTan-Verfahren" für ihr Online-Banking nutzten. Dabei werden die für Überweisungen nötigen Transaktionsnummern (TAN) per SMS an von den Kunden angegebene Handy-Nummern verschickt.

Um an diese TAN zu kommen, sollen sich die Angeklagten Sim-Karten der Bankkunden besorgt und den SMS-Verkehr auf diese Karten umgeleitet haben.

Damit soll das Geld der Opfer von Tagesgeld- und/oder Sparkonten zunächst auf deren Girokonten gesammelt und von dort aus auf Konten von Komplizen überwiesen worden sein. Diese Komplizen, "Finanzagenten" genannt, sollen selbst über Konten bei der Bank verfügt haben. Einer der Angeklagten soll mit den Komplizen diverse Bankfilialen aufgesucht haben, um die überwiesenen Beträge in unauffälligen Teilbeträgen in bar abzuheben.

Laut einem Medienbericht, der sich auf die Staatsanwaltschaft Osnabrück beruft, haben sieben der acht Angeklagten osteuropäische Wurzeln. Ratgeber