Bernburg l Bis zu 130.000 Tonnen Aluminium-Schrott pro Jahr will der spanische Konzern Befesa künftig in seinem neuen Werk in Bernburg wiederverwerten. Gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) gab Befesa-Aufsichtsratschef Romeo Kreinberg am Mittwoch den Startschuss für die Produktion.

30 Millionen Euro hat Befesa in das Werk investiert, 60 neue Jobs sind dadurch entstanden. "Ich bin froh, dass es durch Befesa einmal mehr gelungen ist, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen", sagte Haseloff. Das Land habe die Werksansiedelung mit 8,5 Millionen Euro gefördert. Es ist bereits die dritte Großinvestition eines internationalen Unternehmens in diesem Jahr, die Aluminium-Branche in Sachsen-Anhalt wächst rasant.

Erst Anfang Oktober hatte der US-Konzern Novelis nur wenige Kilometer von Bernburg entfernt an seinem Standort in Nachterstedt ein neues Recyc- ling-Werk für 200 Millionen Euro in Betrieb genommen.

Dort sollen von 200 Mitarbeitern künftig 400.000 Tonnen Alu-Schrott wiederverwertet werden. Seit April lässt Novelis außerdem in Nachterstedt für 62 Millionen Euro eine weitere Produktionslinie für Aluminium-Bleche bauen. Ab 2015 will der Konzern so mehr als 1000 Mitarbeiter in Nachterstedt beschäftigen und mehr als 120.000 Tonnen Alu-Bleche pro Jahr produzieren. Von einem Konkurrenz-Kampf zweier Aluminium-Riesen wollte in Bernburg am Mittwoch trotzdem niemand sprechen.

Im Gegenteil: Befesa-Vorstand Javier Molina sagte der Volksstimme, "Novelis ist für uns ein Partner, wir haben uns auch deshalb für den Standort Bernburg entschieden, um in deren Nähe zu sein". Beide Firmen würden vielmehr kooperieren. So soll das Befesa-Werk in Bernburg Restabfälle von Novelis aufarbeiten und flüssiges Aluminium für das Walzwerk in Nachterstedt herstellen.

Sowohl Novelis als auch Befesa beliefern künftig Volkswagen mit dem aufbereiteten Leichtmetall. Von Bernburg soll der Autobauer vor allem flüssiges Aluminium erhalten, das dann im Karosserie-Bau zum Einsatz kommt.

Neben den beiden Konzernen sind zwei weitere Firmen aus der Alu-Branche in Bernburg ansässig. Die italienische Almeco GmbH beschichtet seit 2006 mit 60 Mitarbeitern Metallbänder mit Aluminium. Die belgische Coil GmbH wiederum wird von Walzwerken mit Roh-Aluminium beliefert, das dann von 40 Mitarbeitern veredelt wird. Das veredelte Leichtmetall wird anschließend auf fünf Tonnen schweren Rollen zurück in die Walzwerke gebracht oder direkt verkauft.

Ein Kunde der Coil GmbH ist Novelis in Nachterstedt. "Ich gehe davon aus, dass mit weiteren Investitionen von Aluminium-Firmen zu rechnen ist", sagte Regierungschef Haseloff am Mittwoch. Es sei über die gezielten Ansiedlungen gelungen, rund um Bernburg mit den Aluminium-Firmen einen Cluster zu schaffen, der nun eine eigene Dynamik entwickelt.

Vor allem die Wiederverwertung von Aluminium könnte noch ausgedehnt werden, denn sie ist sehr lukrativ. Das Befesa-Recyclingwerk braucht nur fünf Prozent der Energie, die für die Gewinnung des Leichtmetalls sonst benötigt werden würde. Von den 130.000 Tonnen Alu-Schrott, die künftig pro Jahr in Bernburg wiederverwertet werden, können 70 Prozent als Neualuminium verkauft werden. So ist es kein Wunder, dass die Recyclingrate von Aluminium europaweit mittlerweile bei 67 Prozent liegt.

Befesa kündigte am Mittwoch bereits an, dass die Recyc- ling-Kapazitäten in Bernburg schon in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden könnten. Weitere 40 Arbeitsplätze könnten noch entstehen. Weltweit beschäftigt Befesa knapp 1900 Mitarbeiter, rund 400 arbeiten im Recycling-Bereich. 2013 lag der Konzernumsatz bei 628 Millionen Euro.

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