Altmarkkreis Salzwedel l Das Schicksal einer 28-jährigen jungen Frau, die vergangene Woche auf dem Salzwedeler Weihnachtsmarkt starb (die Volksstimme berichtete), lässt Zweifel an der notärtzlichen Versorgung in den beiden Landkreisen Stendal und Altmarkkreis Salzwedel aufkommen. Denn viele Menschen können nicht verstehen, dass der Notarzt anstatt nach 20 Minuten, wie es im Rettungsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt festgeschrieben ist, erst nach 41 Minuten eingetroffen ist. Die Frau war trotz des intensiven Einsatzes der beiden Rettungssanitäter vermutlich an einer Bratwurst erstickt.

Im Rettungsdienstgesetz ist unter anderem festgeschrieben, dass der jeweilige Landkreis so mit Rettungswagen und Fahrzeugen ausgestattet wird, dass in 95 Prozent aller Fälle ein Rettungswagen in 15 und ein Notarztfahrzeug in 20 Minuten am Einsatzort eintreffen muss. "Der Gesetzgeber hat die 95 Prozent als Mindestmaß eingesetzt, da es nie auszuschließen ist, dass der Notarzt, in dessen Gebiet der Einsatzort liegt, aus nicht verschuldetem Anlass die Hilfsfrist nicht einhalten kann", betont Birgit Eurich, Pressesprecherin des Altmarkkreises gegenüber der Volksstimme.

Kein Personalabbau

So wie in diesem Fall, in dem der Notarzt aus Salzwedel bereits zu einem anderem Unfallort gerufen worden war. Deshalb musste der Notarzt der Rettungswache Klötze alarmiert werden. Er habe schneller vor Ort sein können als ein nachtflugtauglicher Hubschrauber, der aus Berlin hätte kommen müssen.

"Das ist unser aller Problem", sagte Sebastian Stoll, Zweiter Beigeordneter des Landkreises Stendal. Und "wir entscheiden das ja nicht selbst", schiebt er den Schwarzen Peter der Kassenärztlichen Vereinigung zu. Die finanziert das Notarztsystem und hat aufgrund eines Gutachtens die Zahl der Notärzte für Salzwedel festgelegt: einen. Eine Antwort auf die Frage, ob das Überleben davon abhängt, welches Unglück sich zuerst ereignet und sich dadurch die Chance erhöht, dass der Notarzt rechtzeitig eintrifft, bleibt Stoll schuldig.

"Der Altmarkkreis hat dem Gesetz dergestalt Rechnung getragen, dass seit geraumer Zeit drei Notarztstützpunkte im Altmarkkreis Salzwedel etabliert sind", erklärt die Kreissprecherin. Es seien in den zurückliegenden Jahren keine Stützpunkte geschlossen und auch kein Personal abgebaut worden.

Offene Fragen

Eurich: "So bedauerlich dieses Unglück für alle Beteiligten ist, muss leider aus oben genannten Gründen festgestellt werden, dass es eine 100-prozentige Sicherheit bei der Notarztversorgung in keinem Landkreis geben kann."

Nicht beantwortet wurden Fragen der Volksstimme dazu, ob der Kreis mehr Notarztstützpunkte und mehr Notfallmediziner braucht. Oder warum kein Arzt aus dem Krankenhaus helfen konnte, als deutlich wurde, dass der Notarzt nicht schnell genug da sein kann. Auch darauf, ob im Altmark-Klinikum wieder Notärzte etabliert werden sollten, wurde seitens des Kreises nicht eingegangen. Ebensowenig wie auf Alternativen zum "nachtflugtauglichen" Hubschrauber aus Berlin, der 40 Minuten braucht, um in Salzwedel zu sein. Welche Konsequenzen aus dem tragischen Ereignis für das Rettungswesen gezogen werden können, blieb ebenfalls unbeantwortet.