Magdeburg l Für die Studie haben Bildungsforscher von den Universitäten Jena und Dortmund die Schulstatistiken ausgewertet. In vier Kategorien beschreiben sie, wie gut die Chancen auf einen guten Schulabschluss sind. In die Gruppe der besseren Länder schafft es Sachsen-Anhalt in keiner einzigen dieser Kategorien. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2012.

Schulabschlüsse: Sachsen-Anhalt ist unter den schlechtesten vier Ländern. Weit abgeschlagen ist das Land beim Anteil der Absolventen mit Abitur oder Fachabitur. Lediglich 39 Prozent schaffen die Hochschulreife - im Bundesschnitt sind es 55 Prozent. Außergewöhnlich hoch ist der Anteil derjenigen, die die Schule ohne jeden Abschluss verlassen. Bundesweit fallen 6,0 Prozent der Schüler durch, in Sachsen-Anhalt 11,6 Prozent.

Integrationskraft: Sachsen-Anhalt unter den schlechtesten vier Ländern. Besonders viele Schüler brauchen Förderung (9,4 Prozent), viele besuchen gesonderte Förderschulen (7,1 Prozent). Ganztagsschulen, die unterschiedliche Voraussetzungen der Schüler ausgleichen könnten, sind vergleichsweise selten: 22,3 Prozent der Schüler besuchen eine.

Durchlässigkeit: Sachsen-Anhalt in der mittleren Gruppe der Länder. Untersucht werden unter anderem der Anteil der Schüler, die nach der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, und die Zahl der Sitzenbleiber.

Kompetenzförderung: Sachsen-Anhalt in der mittleren Gruppe der Länder. Hierfür wurden die Leistungen von Neuntklässlern untersucht. Leicht über dem Bundesschnitt liegen die Sachsen-Anhalter im Fach Mathematik. Die Bertelsmann-Studie vermeidet eine Rangfolge der Bundesländer. Dennoch wird deutlich, dass das Schulsystem zwischen Arendsee und Zeitz schwere Mängel hat. Zwar landen auch andere Länder in zwei der vier Kategorien in der untersten Gruppe. Diese erreichen dafür aber in einer anderen Kategorie wenigstens einmal die Spitzengruppe - Sachsen-Anhalt nicht.

Im Wesentlichen akzeptiert das Kultusministerium das schlechte Zeugnis - für 2012. Die Lage heute spiegele die Studie allerdings nicht wider, betont Staatssekretär Jan Hofmann (SPD). "Die Bildungslandschaft ist so wahnsinnig im Umbruch, da sind Daten von 2012 ziemlich altes Zeug."

In Sachsen-Anhalt sei es lange üblich gewesen, schwierige Schüler in Förderschulen zu überweisen, kritisiert Hofmann. Diese stünden am Ende ohne Hauptschulabschluss da. "Die Schulen haben es sich da zu leicht gemacht. An dieser Stellschraube sind wir dran. Wir wollen, dass die Lehrer in den Regelschulen auch mit lernschwierigen Schülern klarkommen." Die Zahl der Förderschüler sinke, und im vergangenen Jahr hätten erstmals weniger als 10 Prozent des Jahrgangs keinen Abschluss erhalten.

Völlig falsch eingeschätzt sieht das Ministerium den angeblich niedrigen Anteil an Ganztagsschülern. Das Problem: Die vielen Kinder, die in Sachsen-Anhalt einen Schulhort besuchen, sind nicht eingerechnet. Im kommenden Jahr werde die Kultusministerkonferenz ihre Statistik ändern, kündigt Hofmann an.