Rothensee l Es ist wie eine kleine Zeitreise, wenn man die Hauseingänge von Hella Strube sowie Wilfried Träger und Barbara Theiß betritt. Die Klingelschilder, die Fenster, die Balkone - alles sieht noch genauso aus wie vor über 30 Jahren, als der Block in der Forsthausstraße gebaut wurde. "Ich habe damals selbst mit angepackt", sagt Wilfried Träger. Heute ist er mit seiner Partnerin einer von nur noch 20 Mietern, die von ursprünglich 40 Familien in dem Haus übrig geblieben sind. Die anderen haben schon längst die Flucht ergriffen. Nach den Berichten über die Zustände in einem Plattenbau am Westring fürchtet er, dass es in absehbarer Zeit auch bei ihnen so aussehen wird.

Sieben Rohrbrüche in einem Jahr zerren an den Nerven

Hella Strube schüttelt den Kopf. "Sieben Rohrbrüche habe ich in letzter Zeit gehabt", erzählt sie. Weil über ihr niemand mehr wohnt, bersten die alten Leitungen. Nach dem letzten Mal wurde die Versorgung der oberen Etagen endlich abgeklemmt. Doch daran, dass sich im Wasser in den maroden Rohren Legionellen finden lassen, ändert das auch nichts.

Das Gesundheitsamt der Stadt ist über die Blöcke bereits bestens informiert, einen "Riesenaktenordner" holt Leiter Dr. Eike Hennig hervor. Im Mai 2013 wurde in den Leitungen das 200-Fache des Grenzwertes für den gefährlichen Krankheitserreger gemessen. Das Amt ordnete ein Duschverbot und eine Erhöhung der Temperatur im Wasserkreislauf an. Bei der nächsten Messung wurde aber immer noch ein sechsfach erhöhter Wert festgestellt, erklärt Hennig. "Wir haben den Vermieter aufgefordert, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Er hat uns auch ein Konzept vorgelegt, das er bis Dezember umsetzen wollte", sagt er weiter. Da bis jetzt noch nichts passiert ist, werde sein Amt im Januar erneut auf die Umsetzung der Sanierung pochen. Rein rechtlich seien ihm aber die Hände gebunden.

"Die spielen mit unserer Gesundheit", sagt Hella Strube, die Probleme mit dem Herzen hat. Wegziehen will sie dennoch nicht, ihr kleines Reich im sonst leeren Haus hat sie sich liebevoll eingerichtet. Eine vergleichbare Wohnung würde sie mit ihrem Einkommen in Rothensee nicht finden.

Eigentümerin der Gebäude ist die Lakis-Gruppe aus Neuss. Geschäftsführer Agissilaos Kourkoudialos soll derzeit Medienberichten zufolge Ärger mit Steuerfahndung und Zoll haben, sein Geld steckt er in den Fußballclub KFC Uerdingen. Laut des neuen Hausverwalters, der weit weg von Magdeburg in Mönchengladbach sitzt, seien zwei Blöcke zwar verkauft. Vor Ort weist darauf aber nichts hin. Auf Anfragen der Volksstimme zu den Zuständen in Rothensee gibt es keine Reaktion aus dem Hause Lakis. Der Pförtner bestätigt nur den Empfang der Fragen.

Dafür reden aber andere. So wie Handwerker Torsten Wilhelm, der jahrelang für die Häuser den Reparaturnotdienst übernommen hatte. Nachdem er aber seinen Rechnungen nachlaufen musste, hilft er inzwischen nur noch gegen Vorkasse der Mieter. "In Magdeburg will kein Handwerker mehr für Lakis arbeiten", sagt der Chef eines Installationsbetriebs, weshalb auch die bereits begonnene Sanierung an zwei Blöcken stagniere.

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