Magdeburg l Die beiden großen Wohnungsverbände in Sachsen-Anhalt haben die Landesregierung angesichts der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen zur Einberufung eines "Asyl-Gipfels" aufgerufen. Dort sollen Wege aufgezeigt werden, wie Asylbewerber und Flüchtlinge besser in die Gesellschaft integriert werden können, erklärte der Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft, Jost Riecke, am Montag in Magdeburg. An dem Gipfel sollten Vertreter von Ministerien, Kommunen, Landkreisen und Wohlfahrtsverbänden teilnehmen.

Die Unterbringung der Flüchtlinge sei verbunden mit vielen Fragen und Ängsten. Es sei wichtig, dass die Landkreise und Städte die Wohnungsunternehmen rechtzeitig über die benötigten Wohnraumkapazitäten informieren, so Riecke. So müsste schon frühzeitig bekannt sein, aus welchem Kulturkreis die Menschen kommen und welche Sitten und Gebräuche sie haben.

Sachsen-Anhalt rechnet für dieses Jahr mit insgesamt bis zu 6400 Asylantragstellern. Dies würde eine Erhöhung von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeuten, als 3405 Gesuche verzeichnet wurden. Für 2015 erwartet das Land 9500 zusätzliche Flüchtlinge. Diese sollen vermehrt in Wohnungen untergebracht werden. Derzeit leben rund 63,3 Prozent der Asylbewerber in Wohnungen, 36,7 Prozent in Gemeinschaftsunterkünften.

"Wichtig ist, dass Asylbewerber und Flüchtlinge nicht nur mit Wohnraum versorgt, sondern intensiv sozial betreut werden", sagte Riecke. Nur so seien die Menschen in der Lage ihre Rechte und Pflichten als Mieter in einer Nachbarschaft wahrzunehmen. "Wir dürfen angesichts der Hilfsbedürftigkeit der Menschen die Regeln nicht vergessen", mahnte Ronald Meißner, Verbandsdirektor der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen-Anhalt. Es brauche Zeit, die Menschen auf das Leben in einem Wohnquartier vorzubereiten. Dazu gehöre auch das Einhalten einer Hausordnung. "Sonst bekommen wir nur Chaos", so Meißner.

Die 200 Mitgliedsunternehmen der beiden Verbände haben 2014 mehr als 440 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung von Wohnungen investiert. Seit 1990 sind es nun 17 Milliarden Euro. Die Verbände bewirtschaften nach eigenen Angaben 345000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt, das sind knapp 50 Prozent des Gesamtbestandes im Land.

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