Magdeburg l Ob Ausraster bei Fahrradkontrollen, Festnahmen oder einem Haus- und Familienstreit - allein im mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt wurden bis Oktober dieses Jahres 66 Polizisten im Dienst Opfer einer Gewaltat. Das sind 20 mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Landesweit stieg die Zahl von 126 auf 172 betroffene Polizisten.

Bei einem Empfang jener im Dienst verletzten Beamten am Dienstag sagte Andreas Schomaker, Präsident der Polizeidirektion Nord: "Man kann gar nicht genug anerkennen, was Sie für die Allgemeinheit getan haben."

Doch von eben jener fühlen sich die Beamten im Stich gelassen. Wolfgang Ladebeck, Vorsitzender des Stufenpersonalrats der Polizeidirektion Nord: "Während ganz normaler Einsätze werden meine Kollegen beleidigt, bespuckt und getreten. Die Brutalität hat sich enorm verschärft." Und er fügt hinzu: "Die Polizei muss immer mehr als Prügelknabe für den allgemeinen gesellschaftlichen Frust und Zorn herhalten. Wir fordern Rückendeckung von der Politik." Auch die Justiz solle endlich das bestehende Strafmaß ausschöpfen. Ladebeck, der gleichzeitig auch Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft ist, macht bei dem Empfang in Magdeburg noch eine ganz andere Rechnung für seine Kollegen auf.

"Body-Kamera könnte Sicherheit erhöhen"

"Es ist wichtig die Polizei auch mit geeigneter Technik für die Eigensicherung auszurüsten. Dazu gehören moderne und alltagstaugliche Schutzwesten und ein Taser (Elektro-Schocker) als Distanzmittel zwischen Pfefferspray und Schusswaffe", sagte Ladebeck. Zudem wünsche er sich auch die Einführung sogenannter Body-Kameras, die von den Polizisten auf der Schulter getragen werden und den Einsatz zur Sicherheit aufzeichnen können. "In Pilotversuchen hat das bereits eine enorm deeskalierende Wirkung gezeigt", so Ladebeck.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte zu den geforderten Tasern: "Da die Risiken dafür noch nicht abschließend bewertet sind, ist das für Sachsen-Anhalt kein Thema." Für die Kameras gebe es noch keine Rechtsgrundlage, über die man aber im nächsten Jahr im Zusammenhang mit dem Überarbeiten des Polizeigesetzes diskutieren könne.

Für die steigende Gewalt gegenüber Polizisten machte Stahlknecht vor allem die für ihn "allgemein zu beobachtende Verrohung der Gesellschaft" und "Verschiebung der Werte" verantwortlich.