Schmuggeln im Gefängnis
Die Gefangenen zeigen sich beim Schmuggeln von Handys und Drogen oft sehr kreativ. Sie nutzen Transporte, Ausgänge oder lassen sich auch Pakete in die Anstalt schicken. Die beliebtesten Verstecke sind Matratzen, Regale, Dosen, Teebeutel und technische Geräte.
Drogen: Die verbreitetste Droge im Knast ist nach wie vor Cannabis. Rund 900 Gramm wurden im vergangenen Jahr in allen Vollzugsanstalten insgesamt sichergestellt. Meist werden nur kleine Mengen und Portionen entdeckt. Einen Anstieg gibt es seit vier Jahren bei den Amphetaminen, zu denen auch die Modedroge Crystal zählt. Die beschlagnahmten Mengen stiegen von 12 Gramm im Jahr 2010 auf rund 150 Gramm im vergangenen Jahr. Die Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor.
Handys: Allein in der JVA Burg wurden in diesem Jahr mehr als 40 Handys bei Gefangenen entdeckt. Der "Draht" nach draußen ist vor allem bei Untersuchungshäftlingen gefährlich für weitere Ermittlungen. 2012 organisierte ein Gefangener zum Beispiel die Flucht bei einem seiner Ausgänge mit dem Handy.
Leistungsfähigkeit
Neuanschaffung: Drogenhunde haben die Justizvollzugsanstalten Halle, Burg, Volkstedt, Raßnitz und der Landesbetrieb für Beschäftigung und Bildung der Gefangenen (LBBG) erhalten. Einen Handyspürhund gibt es in Dessau, ein weiterer siebenter Hund soll ab Januar auf Handys trainiert werden und in Burg eingesetzt werden.

Die feinen Nasen: Während der Mensch über fünf Millionen Riechzellen verfügt, sind es beim Schäferhund rund 220 Millionen. Der Vierbeiner atmet zudem mehr als 300-Mal in der Minute und kann dadurch ständig neue Partikel und Geruchsstoffe in der Luft ansaugen und analysieren. Er schlägt damit jedes moderne Analysegerät.

Burg l "Sentas" feine Nase durchpflügt den Stapel Wäsche der Gefangenen in Windeseile. Wenn sich nur eine Spur von Rauschgift darin befindet, dann würde sie es ihrem Herrchen Axel Rojahn sofort anzeigen. Der 40-Jährige ist Justizbeamter des Vollzuges in Burg, wo auch die ganz schweren Jungs ihre Strafen abbrummen.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Maik Roy und dessen Hündin "Basra" hat Rojahn seit September in der Diensthundeführerschule des Landes in Pretzsch im Landkreis Wittenberg das Training für den neuen Job absolviert. Die beiden Schnüffler-Teams durchsuchen ab sofort regelmäßig Gefangenenräume und Besucher auf Drogen.

Gefängnis-Chef Thomas Wurzel: "Die Hunde der Polizei, die wir uns vorher hin und wieder ausgeliehen haben, durften zum Beispiel gar nicht an Menschen ran. Weil sie gleichzeitig Schutzhunde waren." Außerdem hätte es oft auch längere Wartezeiten für die Drogenhunde der Polizei gegeben.

Bei "Senta" und "Basra" ist das nun anders. Sie sind speziell für den Justizvollzug ausgebildet und dürfen auch an Personen in engeren Räumen schnüffeln. Ihr Revier ist der Knast.

Plötzlich erstarrt die Hündin. Für ihren "Chef" ist dieses "Einfrieren" ein sicheres Zeichen, dass an dieser Stelle Drogen zu finden sind. Kratzen darf "Senta" nicht. Es könnten schließlich Kleidung oder Möbel beschädigt werden.

Der 40-Jährige gibt seiner "Senta" zur Belohnung einen Spielball. Das ist ihr eigentlicher Antrieb, sich überhaupt auf die Suche nach dem Rauschgift zu machen. Dann kann der Beamte den Fund begutachten, in diesem Fall ein Trainingspäckchen.

Allein im vergangenen Jahr wurden fast ein Kilogramm Marihuana und 150 Gramm der gefährlichen Modedroge Crystal in den Justizvollzugsanstalten sichergestellt.

Rojahn: "Wenn wir bisher etwas in den Gefangenenräumen gefunden haben, dann waren es immer nur kleine Mengen. Die Häftlinge sind ja nicht dumm, sie suchen sich immer wieder gute Verstecke."

Und das Gelände der Justizvollzugsanstalt Burg ist groß. Auf 220000 Quadratmetern befinden sich rund 570 Haft- und 45 Untersuchungshaftplätze sowie 18 Zellen für die Sicherungsverwahrten. Dazu kommen Sport-, Arbeits- und Gemeinschaftsanlagen. Täglich wird die Anstalt von einem Dutzend Lkw und Transportern mit Waren beliefert. JVA-Chef Thomas Wurzel: "Das kann man nicht alles mit der Hand kontrollieren. Deshalb sind wir froh, dass wir jetzt die Hunde haben."

Wenn es um Verstecke für Drogen geht, zeigen sich die Gefangenen oft sehr einfallsreich. Wurzel: "Sie haben ja auch den ganzen Tag Zeit, darüber nachzudenken." Ob in Tabakbüchsen, Keksrollen, Teebeuteln, Hohlräumen in den Matratzen, ausgehöhlten Tischtennisschlägern oder umgebauten technischen Geräten - es gibt für die Insassen offenbar keinen Ort, der nicht schon dafür genutzt wurde.

Weitaus wichtiger als die Kontrollen im Haftbereich ist für die Durchsuchungsteams, das Einschmuggeln der Drogen in Briefen oder durch Besucher zu verhindern. Vor vier Jahren war sogar ein Service-Mitarbeiter der Schneiderei erwischt worden, als er mit Drogen gehandelt hat. Statt die Nähmaschinen zu warten, nutzte er die Gelegenheit für den Handel. Der Mann ist sofort gefeuert worden.

Auch Pakete sind eine bevorzugte Schmuggelmöglichkeit. Gerade zur Weihnachtszeit ist die vierbeinige Verstärkung darum besonders willkommen. Wöchentlich müssen durch das Personal in diesen Tagen in Burg bis zu hundert Pakete nach Drogen, Waffen und Ähnlichem durchsucht werden. Sonst sind es etwa 30 bis 40 Pakete in der Woche.

Wenn die Hunde nicht gerade im Einsatz sind, werden sie in Zwingern auf dem Gefängnishof untergebracht. Zum Feierabend geht es mit den Herrchen nach Hause. "Als ich mich um den Job des Diensthundeführers beworben habe, war das eine Familienentscheidung", sagt Maik Roy. Sein Kollege stimmt ihm zu: "Ohne Familie geht es nicht." Für das Training und den Aufwand zu Hause erhalten die Beamten eine "Dienstzeit"-Gutschrift, für Futterkosten und Pflege zudem eine Aufwandsentschädigung.

Neben den beiden Zwingern auf dem Gefängnishof befindet sich noch eine dritte Box. Sie ist noch leer und für einen weiteren Partner mit der kalten Schnauze gedacht. "Der soll ab Januar in Pretzsch zusätzlich als Handy-Spürhund ausgebildet werden", sagt der Anstaltsleiter. Die Tiere sind speziell auf das Erschnüffeln bestimmter im Handy verbauter Grundstoffe trainiert. "Wir haben einen Hund schon kennengelernt, der in der Justizvollzugsanstalt Dessau eingesetzt werden soll. Dem Tier ist es sogar gelungen eine kleine SIM-Karte zu finden", erzählt Axel Rojahn. Oft werden nur die SIM-Karten geschmuggelt und das Handy dann ausgetauscht.

Dass solch unkontrollierter Draht nach außen auch schlimme Folgen haben kann, zeigte die Flucht des Gefangenen Silvio T. aus Aschersleben vor zwei Jahren. Er hatte alles aus der Zelle heraus übers Handy organisiert. Thomas Wurzel: "Auch in der Untersuchungshaft kann sich das zu einem Problem entwickeln, wenn zum Beispiel vom Handy aus Zeugen beeinflusst oder Anweisungen gegeben werden."

Dass die jetzt angeschafften Drogenspürhunde bei den Gefangenen für Gesprächsstoff sorgen werden, da ist sich Wurzel sicher: "Wenn die Polizei früher mit ihren Drogenhunden für Stichpunktkontrollen kam, da wurde es bei den Gefangenen richtig hektisch."

Auch Justizministeriumssprecherin Ute Albersmann ist von der Wirkung der neuen Diensthunde überzeugt: "Erfahrungen anderer Bundesländer haben gezeigt, dass die Zahl der Drogenfunde erst einmal ansteigen wird." Das zeuge von einer hohen Dunkelziffer unentdeckter Drogen. In der Folgezeit hätten die Funde aber drastisch abgenommen. Insgesamt sind für Anschaffung und Unterhalt der Hunde 70000 Euro in den Haushalt eingestellt worden.

"Senta" und "Basra" haben ihre ersten Schnüffeleinsätze bereits hinter sich. Entdeckt haben sie aber noch nichts. Rojahn: "Das dauert sicher auch, bis wir uns richtig eingespielt haben." Meinung

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