Paradiesfrucht GmbH
Seit 2004 beliefert das Werk in Salzwedel Müslifirmen sowie Hersteller von Schokolade, Tee und Backwaren mit gefriergetrockneten Lebensmitteln. Wegen des speziellen Verfahrens behalten die Produkte ihren Geschmack und sind frei von Konservierungsstoffen.

Etwa 10000 Tonnen Früchte werden pro Jahr gefroren und getrocknet. Insgesamt 1998 Produkte werden in den Kälte- und Trocknungsanlagen verarbeitet. Neu sind gefriergetrocknetes Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch, aber auch Würstchenscheiben für Fünf-Minuten-Terrinen. Paradiesfrucht liefert unter anderem nach Amerika, Japan und Australien. Die 150 Mitarbeiter erwirtschaften rund 50 Millionen Euro Umsatz. Paradiesfrucht gehört zur Jahnke-Gruppe aus Drochtersen (Niedersachsen), die ursprünglich ihr Geld mit Fruchtsaftkonzentraten verdienten. (ba)

Salzwedel l Zehn Millionen Euro wird Paradiesfrucht in den kommenden zwei Jahren in den Ausbau seines Werkes in Salzwedel investieren. Geschäftsführer Bernd Wiesner will zudem 30 neue Arbeitsplätze schaffen. Paradiesische Aussichten für das Geschäft mit den getrockneten Früchten. In Deutschland sind fast alle großen Müslihersteller Kunden des Unternehmens aus dem Altmarkkreis. Aber auch Schokoladenhersteller und andere Firmen, die getrocknete Lebensmittel in ihren Produkten verwenden, sind Abnehmer der Salzwedeler.

Das am besten gehütete Geheimnis im Unternehmen ist die Verarbeitung der Nahrungsmittel. "Der Prozess der Gefriertrocknung nimmt bis zu 14 Stunden in Anspruch", erklärt Geschäftsführer Bernd Wiesner. Paradiesfrucht gibt in seine Produkte keine Konservierungsstoffe, künstliche Farben oder Aromen hinzu. Mehr als 10000 Tonnen Früchte werden jährlich verarbeitet. Den Rohstoffen wird bei minus 18 Grad Celsius das Wasser entzogen. Übrig bleiben wahre Leichtgewichte. 100 Kilogramm Erbeeren wiegen nach der Verarbeitung nur noch zehn Kilogramm. Nährwert, Farbe und Geschmack bleiben erhalten.

Ernährungswissenschaftlerin Carolin Thesing ist seit fünf Jahren für den guten Geschmack bei Paradiesfrucht verantwortlich. Die 32-Jährige versucht sich in ihrem Labor an neuen Kreationen oder entwickelt bewährte Produkte weiter. "Die Superfrüchte Cranberry, Goji oder Acai liegen im Trend", erzählt die Leiterin der Produktentwicklung. Derzeit arbeitet sie daran, wie sich die Früchte mit Joghurt verbinden lassen. "Fruchtchips oder Fruchtjoghurt-Würfel werden stark nachgefragt. Auch Frucht-Gemüse-Chips werden immer beliebter", sagt Thesing.

Allerdings nicht in Deutschland. Die Kunden im Inland kaufen die Früchte aus Salzwedel nahezu ausschließlich für Müslis und Schokolade. Die bunten Chips treffen vor allem bei Amerikanern und Asiaten den Geschmack. Über eigene Vertriebsbüros in Boston und bei San Francisco halten die Salzwedeler Kontakt zu ihren Abnehmern. Seit Jahren wächst das Geschäft - und auch die Produktion in Salzwedel.

Seit 2004 gefriert und trocknet Paradiesfrucht in Sachsen-Anhalt Lebensmittel. Zehn Millionen Euro wurden investiert, um das Werk zu bauen. EU und Land förderten mit fünf Millionen Euro. Das hat sich ausgezahlt. Aus anfangs 20 Mitarbeitern sollen in den kommenden zwei Jahren 180 werden. Auch die Kapazität wird erweitert. Eine weitere Halle und ein Kühlhaus sollen für zehn Millionen Euro gebaut werden. "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren immer Mengenzuwächse von 20 Prozent im Jahr gehabt", sagt Wiesner. Jüngster Beleg für den Erfolg ist die Auszeichnung als "Unternehmen des Jahres 2014" durch den Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV). Fast 30 weitere Betriebe aus Ostdeutschland hatten sich beteiligt. Paradiesfrucht habe sich mit Kreativität am Markt behauptet, sagte OSV-Präsident Michael Ermrich. Paradiesfrucht-Chef Bernd Wiesner will die Auszeichnung auch dafür nutzen, um neue Fachkräfte für sein Unternehmen zu gewinnen. "Das ist in Salzwedel nicht so einfach", sagt der gebürtige Norddeutsche. Künftig will er verstärkt auf die Hochschulen im Land zu gehen. Denn nur durch gut ausgebildetes Personal werden die Früchte aus Salzwedel weiter so paradiesisch wachsen.