Ackendorf l Großeinsatz der Polizei am Donnerstagnachmittag in dem 400-Einwohner-Ort Ackendorf bei Haldensleben: Schwer bewaffnete Polizisten sperren die Dorfstraße, nehmen mit Sturmhauben ihre Position ein. Insgesamt 300 Beamte sind an der Aktion beteiligt. Jedes ankommende Fahrzeug wird peinlich genau kontrolliert. In drei Fällen werden unter das Waffengesetz fallende Gegenstände wie Messer, Quartzhandschuhe und Pfeffersprays beschlagnahmt.

In Sichtweite der Kontrolle befindet sich eine alte Fabrikhalle. Sie ist der Sitz eines Motorradclubs. Dessen Mitglieder haben sich in dem Gebäude eine Halle als Treff ausgebaut. Seit einigen Jahren gibt es dort auch eine öffentlich zugängliche kleine Kneipe. Die Bewohner des Bördedorfes sagen Gutes über die Rocker. "Die sind ganz friedlich", meint eine Nachbarin. Selbst beim Weihnachtsmarkt hätten sie wohl schon Glühwein verteilt. Der Großeinsatz der Polizei gilt auch nicht den örtlichen Rockern, obwohl die als Unterstützer der Hells Angels gelten.

Vielmehr werden ihre Gäste, die aus allen Teilen Deutschlands stammen, von den Beamten genau unter die Lupe genommen. Bei dem Treffen soll es sich um ein "German Officer Meeting" handeln. Polizisten und Journalisten haben dort keinen Zutritt. Der anwesende Rechtsanwalt vor der Tür lehnt jede Stellungnahme ab.

Polizeisprecher Marc Becher: "Wir schöpfen dennoch alle unsere rechtlichen Möglichkeiten aus, zeigen Präsenz und Null-Toleranz."

Er meint dabei den Polizeieinsatz, der bereits mehrere Stunden zuvor in Magdeburg begann. Dort beobachteten Ermittler bereits die ersten Fahrzeuge unter anderem aus Kiel, Berlin, Dresden und Frankfurt.

Für die Beamten sind die Rocker schwer zu erkennen, denn sie tragen weder Kutten mit dem geflügelten Totenkopf (seit August verboten) noch fahren sie mit dem Motorrad vor. Dennoch kann unter anderem ein Fahrzeug in der Nähe des Hasselbachplatzes gestoppt und die Insassen kontrolliert werden. Bei den Männern finden die Polizisten größere Mengen verschiedenster Drogen. Die Rocker sollen am heutigen Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Andere fahren am Treffpunkt der Hells Angels in der Maybachstraße in Magdeburg vor. Als die Polizeipräsenz zunimmt, drehten die Rocker schließlich Richtung Ackendorf ab. Bis zum Abend bleibt alles friedlich. Deutschlandweit haben die Hells Angels 68 Charter. In Sachsen-Anhalt verdrängten sie in den vergangenen Jahren im mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt zunehmend die Bandidos und ihre eigenen Unterstützer, die "Red Devils". In Magdeburg besitzt der Motorradclub inzwischen einen eigenen Charter.

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