Stendal l So richtig aufgefallen sind sie scheinbar bislang nicht: Seit mehreren Wochen hängen in Stendal an der Stadtsee-Kreuzung zur Moltkestraße zwei Paar Turnschuhe in luftiger Höhe an einer Ampel. "Das muss man auch erst einmal hinbekommen, die Schuhe dort oben zu platzieren", sagte Stadtsprecher Klaus Ortmann am Freitag auf Volksstimme-Anfrage. Er habe die Turnschuhe just einen Tag zuvor auch zufällig entdeckt, sagt Ortmann. Als Kunst habe er es aber nicht identifiziert.

Ursprung der Straßenkunst liegt wohl in Schottland

Als Straßenkunst - sogenanntes Shoefiti - soll es aber wohl gedacht sein. Damit hat ein weltweit verbreitetes Phänomen nun auch Stendal erreicht. In Metropolen wie Berlin findet sich diese Marotte von herumhängenden Schuhen an vielen Stellen.

Shoefiti ist ein englisches Kunstwort und ist eine Zusammensetzung der englischen Wörter für Schuh und Grafitti. Bei dieser Kunst werden Schuhpaare an den Schnürsenkeln zusammengebunden und an den unmöglichsten Stellen platziert. Der Ursprung liegt wohl in Schottland und gelangte von dort in die Welt.

Im schleswig-holsteinischen Flensburg ist eine mit Schuhen voll behangende Straße bereits zu einer Touristenattraktion geworden. Hier hatte seit 2005 der Besitzer eines Skatershops die abgetragenen Schuhe seiner Kunden über eine Leine gehängt. Der Betreiber eines St. Pauli-Fanshops schloss sich alsbald an. Seither hängen in der Norderstraße Leinen voller Schuhe.

Eine andere Form von Straßenkunst hat sich mit den Liebesschlössern entwickelt, die auch in Stendal an der Uchtebrücke an der Prinzenstraße zu sehen ist. Liebespaare befestigen am Gitter ein mit ihren Namen graviertes Vorhängeschloss und werfen den Schlüssel dann weg. Die Sammlung an der Uchtebrücke hat sich in den vergangenen Monaten erstaunlich erweitert. Auch die Liebesschlösser sind ein weltweites Phänomen. In Köln und auch Paris gibt es Brücken, die bereits in ihrer Statik durch die Aktion gefährdet sind.

Schuhe hängen in luftiger Höhe von sechs Metern

Während die Liebesschlösser in Stendal bleiben werden, werden die Schuhe an der Stadtseeampel bald weichen müssen. "Der Bauhof wird sich darum kümmern", sagt Stadtsprecher Ortmann. Er sehe zwar keine Eile, da der Straßenverkehr nicht beeinträchtigt sei, aber auf Dauer könnten die Schuhe dort nicht bleiben.

Die Stadtmitarbeiter müssten dann "wohl mal eine ruhige Minute finden", um ungestört die Schuhe aus der luftigen Höhe von rund sechs Metern herunterzuholen.