Magdeburg l Die Mutter ist zu Tränen gerührt, der Sohn glücklich - an Heiligabend erfüllte sich für Andreas Galk und seine Familie ein Wunsch, bei dem es die Entfernung von der Zollstraße zur Annastraße von etwas mehr als fünf Kilometern zu überwinden galt: ein gemeinsames Weihnachtsfest. Ein Vorhaben, das zur Odyssee wurde.

Mitte der 1990er Jahre erkrankt der Autohändler an Multipler Sklerose (MS). Gezeichnet von der Krankheit, bei der die Markscheiden im zentralen Nervensystem angegriffen sind, zieht er in eine rollstuhlgerechte Wohnung an der Zollstraße. Dem 49-Jährigen ist die Pflegestufe III bescheinigt worden. "Aus eigener Kraft essen und trinken kann er nicht mehr", so Schwester Silvana Krüger. Fünf Mal am Tag werde eine Pflegedienst vorstellig, fügt Mutter Marlies Galk hinzu. Außerdem kümmere sich die gesamte Familie.

Heiligabend sollte nun nicht in der Zollstraße, sondern in Stadtfeld, wo Silvana Krüger die Familie in ihre Wohnung eingeladen hat, verbracht werden. Geduld ist bei der Umsetzung des Planes gefragt. Der lange Weg nimmt vor zwei Monaten bei der privaten Krankenversicherung von Andreas Galk seinen Anfang: Das Unternehmen ist zwar nicht zu einer Kostenübernahme für Hin- und Rückfahrt verpflichtet, da es sich bei den Fahrten nicht um medizinisch notwendige handelt. Dennoch erklärt es sich auf Volksstimme-Nachfrage zur Zahlung bereit.

Als schwieriger erweist sich die Suche nach einem Fahrdienst, der für den 24. Dezember benötigt wird: Dessen Mitarbeiter müssten am Heiligabend im Dienst und er für die fragliche Zeit noch nicht ausgebucht sein sowie über einen speziellen Tragestuhl verfügen, der bei der Beförderung von Rollstuhlfahrern zum Einsatz kommt. Bedingungen, die sich als immense Hürde erweisen, wie sich bei unzähligen Telefonaten zeigte. Mal sind sämtliche Termine bereits vergeben, mal fehlt es am Personal, mal am Tragestuhl, über den nur wenige der angefragten Anbieter verfügen. Die Zeit scheint abzulaufen.

Wenige Tage vor dem Fest kommt die erlösende Zusage von den Johannitern. Zu zweit bringen die Mitarbeiter Andreas Galk zu seiner Familie und sorgen für glückliche Stunden. Dafür verlängern sie auch ihre Dienstzeit. "Unser Beispiel zeigt, mit welchen Problemen erkranke Menschen zu kämpfen haben", so Silvana Krüger.