Magdeburg l Pyrotechnik liegt im Trend. Nach Schätzungen des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) geben die Deutschen in diesem Jahr rund 124 Millionen Euro für Feuerwerk aus. Und das nur für legale Böller und Raketen. Nicht eingerechnet sind die illegal importierten Knaller aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Österreich und Spanien.

Das Landeskriminalamt registrierte bis Mitte Dezember 310 Einätze wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Seit 2008 haben sich die Zahlen damit versiebenfacht. Damals waren die Spezialisten wegen solcher Vorfälle nur 43-mal ausgerückt. "Und", so Bernhard Gronau, Sachverständiger für unkonventionelle Sprengmittel im Landeskriminalamt, "die illegale Pyrotechnik, die im Internet bestellt werden kann, wird immer gefährlicher."

Bis Mitte Dezember flogen in Sachsen-Anhalt 75 Zigarettenautomaten, Telefonzellen oder Autos in die Luft. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 66. Es gebe inzwischen sogenannte Super-Böller auf dem Schwarzmarkt, die mit 200 Gramm hochexplosivem Blitzknallsatz bestückt sind. Zum Vergleich: Ein Chinaböller enthält gerade einmal 2 bis 3Gramm Schwarzpulver.

Eine Sprengwirkung wie eine Handgranate


Gronau: "Die neuen Superböller haben eine Sprengwirkung wie eine Handgranate." Bei der Raumexplosion einer Kugel-Bombe könnten Menschen schon durch die Druckwelle schwerste Verletzungen erleiden. Eine solche Bombe detonierte am 28. August in einem Wohnhaus in Halberstadt. Dabei hob es Türen aus den Angeln und Scheiben splitterten meterweit bis auf die Straße. Nur weil niemand in der Nähe war, gab es keine Verletzten. "Inzwischen muss keiner mehr Rohrbomben basteln", sagt der Experte. Die Post weiß oft gar nicht, was sie da transportiert, obwohl solche Ware speziell gekennzeichnet sein müsste.

Sichere Ware erkennt man am Siegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit den Klassifizierungen F1 bis F4 oder dem EU-Siegel "CE". Die Klasse I ist das gesamte Jahr über nutzbar. Klasse II darf von Erwachsenen vom 31. Dezember, 0 Uhr, bis zum 1. Januar, 24 Uhr, abgebrannt werden. Die Klassen III und IV dürfen ohnehin nur von ausgebildeten Feuerwerkern gezündet werden.

Von 27 Schwerverletzten waren acht Kinder


Ein generelles Pyrotechnikverbot gibt es vor Altersheimen, Fachwerk- und Reetdachhäusern. "Besonders in Wernigerode und Quedlinburg werden wir das natürlich verstärkt kontrollieren", erklärt Frank Küssner von der Polizeidirektion Nord. In Magdeburg sei die Landesbereitschaftspolizei zusätzlich in der Silvesternacht im Einsatz.

Die Uniklinik Magdeburg bereitet sich als Verletzungs-Zentrum für den Norden Sachsen-Anhalts ebenfalls vor. "Erfahrungsgemäß haben wir es vor allem mit Verbrennungen zu tun, mit der Einsprengung von Fremdkörpern in die Haut, aber auch mit dem Abriss von Gliedmaßen", sagt der Leiter der Uniklinik für Unfallchi-rurgie, Prof. Felix Walcher. Als Hauptursachen nannte er den unsachgemäßen Gebrauch, Alkoholkonsum und die Unterschätzung des Sprengpotenzials. Unter den 27 Schwerverletzten der vergangenen fünf Jahre waren acht Kinder.

Auch für die Feuerwehren des Landes dürfte es wieder die einsatzreichste Nacht des Jahres werden. Horst Starke vom Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge: "Der Anteil der Brände steigt zu Silvester und Neujahr auf weit mehr als das Doppelte an."