Wanzleben l "Was wir nicht selbst benötigen, verkaufen wir", sagt Guido Fellgiebel, Leiter der DRK-Arbeitsgruppe Altkleiderspenden. In ganz Deutschland landen 80000 bis 100000 Tonnen Altkleider in den Containern mit dem roten Kreuz. Insgesamt 535 DRK-Kleidercontainer stehen in Sachsen-Anhalt.

"Wir machen auf unseren Containern ganz klar deutlich, dass wir Kleidung, die wir nicht hier verteilen, verkaufen", sagt Guido Fellgiebel. Mitarbeiter des DRK sortieren die Kleidung aus den Containern. Alles, was nicht verwendet werden kann, wird an Textilverwerter verkauft. In Wanzleben werden 20 Prozent der gespendeten Kleidung direkt im Kleiderladen im sozialen Zentrum ausgegeben. Zum einen "können wir nicht unendlich lagern", sagt Stephan Dill vom DRK-Ortsverein Wanzleben. Zum anderen "ist nur gut die Hälfte davon tragbar", ergänzt Fellgiebel.

90 Tonnen Altkleider kommen im Jahr allein in der Region Wanzleben zusammen, die der Textilverwerter abholt. "Die Verwertungsfirmen zahlen uns dafür insgesamt rund 30000 Euro", sagt Stephan Dill. "Einnahmen, auf die wir angewiesen sind, um die karitativen Einrichtungen und Dienste zu unterhalten", erklärt Fellgiebel.

In 270 Altkleidercontainern sammeln die Malteser in Sachsen-Anhalt alte Kleidung. "Ein Großteil der gespendeten Kleider ist nicht mehr geeignet für die Ausgabe in unseren vier Kleiderkammern", sagt Martin Schelenz, Geschäftsführer der Malteser in Sachsen-Anhalt.

Auch die Malteser verkaufen die nichtbrauchbaren Textilien an Verwertungsfirmen. Die Einnahmen pro Container liegen im Jahr im Schnitt zwischen 70 bis 130 Euro. Insgesamt maximal 35000 Euro freie Mittel für die Arbeit der Malteser. Nur ein geringes Zubrot, macht Schelenz deutlich. 300 Euro kostet zum Beispiel die Ausbildung für einen ehrenamtlichen Hospizbegleiter.

Babysachen werden immer benötigt


Sind die Altkleider bei den Textilverwertungsfirmen gelandet, wird dort erneut sortiert. Die Verwertungsfirma Dohmann mit Sitz in Wolfen holt unter anderem die Ware des DRK ab und sortiert sie weiter. Recycelt werden die Lumpen beispielsweise zu Putzlappen oder Dämmmaterial. Noch brauchbare Kleidung geht in den Export nach Südeuropa und Afrika.

"Das ist der globale Wirtschaftskreislauf", sagt Stephan Dill. "Wir wollen jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Kleider nur sammeln, um zu verdienen", sagt er. "Die Kleider werden auch in Sachsen-Anhalt gebraucht." Weil antizyklisch gespendet werde - das heißt, jetzt sortierten die Menschen zum Großteil Sommerkleidung aus - werde aktuell in den Kleiderkammern dringend tragbare Winterkleidung gebraucht, erklärt Dill. Auch Babysachen sind immer gefragt bei den Bedürftigen.

Wer sichergehen wolle, dass seine Kleidung verwendet wird, "kann die Spenden direkt bei den Mitarbeitern in den Kleiderkammern abgeben", rät Guido Fellgiebel.

Auf Kleiderkammern statt Container konzentrieren sich vorrangig die Johanniter und die Arbeiter-Wohlfahrt. Die stationären Behälter seien nicht "nah genug an den Spendern" und zu groß der Aufwand für Mitarbeiter und Unterhaltung, heißt es aus den Landesverbänden der Wohlsfahrtsverbände.