Fliegerbomben-Funde hielten das Land 2014 in Atem

  • 17. Juli: In Magdeburg am Breiten Weg werden Plattenbauten abgerissen - ein Bagger stößt am Vormittag im Boden auf eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Große Teile der Innenstadt werden geräumt - rund 6300 Menschen sind im Radius von 500 Metern um die Fundstelle gemeldet. Gegen 21.40 Uhr ist die gefährliche Altlast unschädlich gemacht.


  • 12. Oktober: In Bad Dürrenberg wird eine britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf einem Sportplatz gesprengt. Von den Evakuierungen sind etwa 4500 der fast 12000 Einwohner betroffen. Unvernünftige hatten immer wieder dafür gesorgt, dass sich die Sprengung verzögerte.


  • 20. November: In Halle werden zwei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. Sie konnten nicht gefahrlos abtransportiert werden. Von den Sicherungs- und Evakuierungsmaßnahmen sind rund 2100 Menschen betroffen. Die beiden je 50 Kilogramm schweren Bomben deutscher Herkunft waren bei Bauarbeiten entdeckt worden.

Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalts Kampfmittelbeseitigungsdienst hat in diesem Jahr mehr Bomben gesprengt und mehr Munition gefunden als noch 2013. "Vor allem seit August hatten wir mehr zu tun, zum Teil haben wir dreimal pro Woche gesprengt", sagte der Einsatzleiter der Spezialisten, Torsten Kresse, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Nachdem die Kampfmittelräumer im Jahr 2013 260 Fundstellen registriert hätten, seien es 2014 schon mehr als 310.

"Wir sind an der Leistungsgrenze, aber wir müssen das schaffen", sagte Kresse zur Arbeitsbelastung der 32 Mitarbeiter, die im Land unterwegs sind. Neun von ihnen dürfen Bomben entschärfen. Glücklicherweise ist seit mehreren Jahren niemand verletzt worden. Die Zahl der Bombenfunde lag 2013 bei 51, in diesem Jahr waren es bis Anfang Dezember 20. Allerdings sei mehr gesprengt worden als im Vorjahr, sagte Kresse. Das sei dann nötig, wenn die Gefahr eines Transports zu groß sei. Auf einem Sportplatz in Bad Dürrenberg etwa musste im Oktober eine Langzeitzünderbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt werden. Sie konnte nicht entschärft werden.

Nach Kresses Einschätzung wird die Bombenentschärfung immer gefährlicher. "Die Zünder aus Stahl und Aluminium zersetzen sich durch Frost und Feuchtigkeit immer mehr." Zum Teil seien die Sicherheitseinrichtungen der Zünder marode. Dann müsse gleich gesprengt werden.

"Es liegt noch genug im Boden für die nächsten hundert Jahre."

Torsten Kresse, Einsatzleiter

"Das wird zunehmen", schätzt Kresse. Insgesamt vermutet der Experte: "Es liegt noch genug im Boden für die nächsten 100 Jahre." Es wisse nur niemand, wo die belasteten Flächen seien.

Wie viele Kampfmittel gefunden würden, sei von vielen Faktoren abhängig, sagte Kresse. Zum einen hänge das mit der Bautätigkeit zusammen. Die nehme derzeit zu - beim Kampfmittelräumdienst gingen im Jahr 2013 noch 906 Anträge auf Prüfung von Grundstücken ein, in diesem Jahr sind es weit über 1000. Zum anderen gebe es saisonale Schwankungen: In der Pilzsaison werde mehr gefunden, weil schlichtweg mehr Leute in den Wäldern unterwegs sind. Auch in der Kartoffelsaison trete mehr Munition zutage.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist zuständig für Bomben und Munition, die zufällig gefunden werden, wie auch gezielt auf Bauflächen oder auf alten Militärgeländen. Das Nebelfass, das im November in Aken gefunden worden war, sei mit einer Chemikalie gefüllt gewesen - für den Umgang damit seien die Kampfmittelräumer nicht ausgebildet, sagte der Pressesprecher des Technischen Polizeiamts, Axel Vösterling.

Die Sprengungen wie auch die Entschärfungen vor Ort sind in der Regel mit Evakuierungen verbunden. In Bad Dürrenberg mussten rund 4500 Menschen die Sperrzone verlassen, in Magdeburg war für eine Entschärfung in der Innenstadt Mitte Juli ein Radius von 500 Metern für alle gesperrt, dort waren laut Stadt rund 6300 Einwohner regis-triert. Menschen, die sich dennoch in den Sperrzonen aufhalten - ob aus Neugierde oder Trotz, verzögern immer wieder die Arbeit der Kampfmittelbeseitiger.

"In Bad Dürrenberg war es katastrophal, die Leute haben keine Vorstellung, dass auch etwas schiefgehen kann", sagte Vösterling. In Braunsbedra hingegen würden häufiger Kampfmittel gefunden - dort seien die Menschen stärker sensibilisiert.