Magdeburg l Es sind herzzerreißende Szenen, die sich am Freitagmittag vor dem Mehrfamilienhaus an der Kleinen Straße in Stadtfeld-Ost abspielen. Menschen liegen sich in den Armen, Tränen fließen. "Wir haben alles verloren", sagt ein junger Familienvater. In der Nacht klingelten die Einsatzkräfte bei ihm Sturm. "Wir lagen schon im Bett", sagt er. Inzwischen sei seine Familie bei den Großeltern untergekommen. "Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht", sagt er. Gemeinsam mit einem Feuerwehrmann darf er noch einmal in seine Wohnung und ein paar wichtige Dinge wie Medikamente und Ausweise holen.

Dass bei dem Brand niemand verletzt worden ist, haben die Bewohner wahrscheinlich einer jungen Frau zu verdanken. Die Magdeburgerin kam 0.30 Uhr gerade von der Arbeit, als sie das Feuer auf dem Balkon bemerkte. "Ich habe sofort den Notruf gewählt", sagt sie der Volksstimme. Am Nachmittag danach ist sie noch einmal zu dem Haus gekommen, um sich nach den Bewohnern zu erkundigen. "Ich bin so froh, dass niemand verletzt wurde", sagt sie. Sie berichtet, dass sie selbst noch versucht habe, in das Haus zu gelangen. "Da fielen bereits Glutstücke vom Dach." Wenig später traf die Feuerwehr ein. Namentlich möchte die Frau nicht genannt werden. "Ist doch selbstverständlich, was ich getan habe", sagt sie der Volksstimme.

Manche Bewohner konnten das Haus alleine verlassen, zwölf, darunter zwei Kinder, mussten von den Einsatzkräften gerettet werden - insgesamt waren mehr als 60 im Einsatz.

Gemeldet sind in dem Haus 28 Personen. Eine Familie soll gerade im Urlaub sein und wurde von der Polizei telefonisch über den Brand informiert. Nach ersten Schätzungen soll der Schaden drei bis vier Millionen Euro betragen. Zur Brandursache ist noch nichts bekannt.

Eine erste Begutachtung musste der Brandermittler Freitagnachmittag abbrechen. Eine detaillierte Untersuchung konnte aufgrund der enormen Löschwasserreste nicht stattfinden. Daher kann eine Begutachtung des Dachgeschosses laut Polizei auch erst nach der Stabilisierung der tragenden Bauelemente stattfinden. Am Montag sollen die Ermittlungen weitergeführt werden. "Am Wochenende werden die bautechnischen Gegebenheiten für ein sicheres Betreten geschaffen. Erst danach wird es der Polizei, dem Bauordnungsamt und der Versicherung möglich sein, ihre Arbeiten fortzuführen", heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Das Mehrfamilienhaus ist unbewohnbar. Noch ist unklar, wie es mit dem Haus weitergehen soll. Der Bau wurde 2010 saniert. Die Kripo ließ das Haus noch am Freitag versiegeln. An zerstörten Fenstern wurden Bretter angebracht - auch zum Schutz vor Einbrechern. Bis eine Entscheidung gefallen ist, werden die Bewohner vorerst weiter bei Freunden und Verwandten wohnen müssen.

 

Bilder