Magdeburg l Der Plan für eine Lichtsignalanlage, die keiner so recht möchte, macht die Runde durch die Kommunalpolitik. Dies zumindest legt die Diskussion im Bauausschuss des Stadtrats im vergangenen Jahr nahe.

Im Einzelnen geht es um die Kreuzung des Breiten Wegs mit der Großen Steinernetischstraße in der nördlichen Altstadt. Autos rollen hier über die Verbindungsstrecke zwischen Otto-von-Guericke-Straße und Weitlingstraße. Auf dem Breiten Weg hingegen haben Fußgänger in der Fußgängerzone Vorrang. Außerdem sind hier die Straßenbahnen der Linien 1, 2, 5, 8, 9, 10 und 94 unterwegs.

Ampelanlage für 80.000 Euro

Vorfahrt haben Straßenbahnen, dann sind die Autos an der Reihe, Radfahrer und Fußgänger müssen denen beim Überqueren der Große Steinernetischstraße Vorfahrt gewähren. Angesichts dessen, dass hier keine Hauptverkehrsstrecke für den Autoverkehr verläuft, halten sich die Konflikte aber offenbar in Grenzen - als Unfallschwerpunkt ist diese Ecke nicht bekannt.

Dennoch soll für 80.000 Euro eine neue Ampelanlage aufgestellt werden - ähnlich wie an der Kreuzung des Breiten Wegs mit der Julius-Bremer-Straße ein paar Hundert Meter weiter, berichtet Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt. Dort befindet sich eine Lichtsignalanlage, die ganztägig für Sicherheit sorgen soll. An dieser Stelle sind es die Autofahrer gewohnt, dass es sich lohnt, in einer der langen Rotphase den Motor abzustellen. Und die Fußgänger sind gewohnt, dass sie warten sollen, obwohl oft weit und breit kein Auto zu sehen ist.

Unverständnis über alle Fraktionsgrenzen hinweg über die Pläne für die Große Steinernetischstraße im Bauausschuss des Stadtrates: Was soll eine Ampelanlage an einer solchen Stelle, gebe es nicht wichtigere Punkte, an denen Geld in die Sicherheit investiert werden könnte?

Keine Kompromisse möglich

In der Magdeburger Stadtverwaltung scheinen die Stadträte keinen rechten Gegenpart für eine Diskussion in der Sache zu finden. Baudezernent Dieter Scheidemann jedenfalls machte deutlich, dass die Magdeburger Verkehrsplaner auch kein rechtes Interesse an der Investition an dieser Stelle haben. Aber die Ampel müsse aufgebaut werden - denn sie sei von der Landesverwaltung vorgeschrieben worden. Dieter Scheidemann: "Grund ist, dass hier die Straßenbahnen aus der Fußgängerzone herauskommen und an dieser Stelle keine Kompromisse möglich sein sollen."

In der Vergangenheit hatte die Stadtverwaltung damit argumentiert, dass in naher Zukunft im Zuge der zweiten Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn durch die Stadt hier ohnehin der Verkehr noch einmal neu sortiert werden soll, da an dieser Stelle ja die neue Straßenbahntrasse in Richtung Am Krökentor und weiter zur Walther-Rathenau-Straße abzweigen sollte. Wird sie nun aber nicht - die Magdeburger Verkehrsbetriebe entwickeln derzeit Ideen, wie die Straßenbahnstrecke wie vom Stadtrat beschlossen vom Damaschkeplatz in Richtung Norden geführt werden kann, und damit zählt das Argument gegenüber der Landesbehörde nicht mehr.

Zuletzt hatte die Kreuzung übrigens im Jahr 2011 für einen Austausch im Stadtrat gesorgt, als mit einem interfraktionellen Antrag die bisherige Pflicht für Radfahrer, die Autos durchzulassen, besser sichtbar gemacht werden sollte.