Magdeburg/Paris l Stahlknecht sagte am Donnerstag der Volksstimme: "Die Lage ist sehr dynamisch. Es gibt ständig eine neue Gefahrenbewertung." Er betonte, dass die Kontrollen an den Grenzen zu Frankreich und Belgien verschärft worden seien. Zudem gebe es an deutschen Flughäfen - auch dem Airport Leipzig/Halle - einen erhöhten Personaleinsatz und verstärkte Kontrollen.

Das Bundeskriminalamt verfolge die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter und informiere die Landeskriminalämter bei mögliche Gefahrenlagen. In Sachsen-Anhalt würden "erforderliche Maßnahmen" zum Schutz muslimischer Gotteshäuser ergriffen.

"Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, dass wir sogenannte Gefährder in Sachsen-Anhalt haben, die willens und in der Lage wären, ähnliche Terroranschläge wie in Paris zu verüben", sagte Stahlknecht. Aber: "100-prozentige Sicherheit kann niemand versprechen." Deutschlandweit wird die Zahl der "Gefährder", also radikaler Islamisten, zurzeit auf 260 geschätzt.

In Sachsen-Anhalt sind laut Verfassungsschutz "bislang keine festgefügten Strukturen islamistischer Organisationen und Gruppierungen bekannt geworden". Allerdings seien Einzelpersonen, die hier wohnen, in überregionalen Gruppierungen aktiv.

Stahlknecht sagte, dass Attentate wie in Paris die Integrationspolitik erschweren würden. Er habe die Sorge, dass die islamfeindliche "Pegida" den Anschlag für ihre politischen Zwecke missbrauche, erklärte Stahlknecht. Er rief zu Ruhe und Besonnenheit auf. "Wir dürfen uns von nicht vom Weg der Zuwanderungspolitik abbringen lassen", sagte er.

Die Mehrheit der Deutschen steht einer Bertelsmann-Studie zufolge dem Islam ablehnend gegenüber. 61 Prozent der Bundesbürger stimmten der Aussage zu, der Islam passe nicht zur westlichen Welt, heißt es in dem Religionsmonitor. Aus der Studie ergibt sich zugleich, dass sich ein Großteil der in Deutschland lebenden Muslime dem Staat und der Gesellschaft eng verbunden fühlt.

Nach dem Terrorakt mit zwölf Toten hat die Sorge vor weiteren Attentaten Frankreich in Schrecken versetzt. Nach einer massiven Fahndung verfolgte die Polizei am Donnerstag eine heiße Spur in Nordfrankreich, doch die Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34) blieben weiter auf der Flucht. Nach dem Fund von Molotow-Cocktails, einer islamistischen Flagge und einem Stirnband in einem Fluchtwagen gingen die Ermittler davon aus, dass die 32 und 34 Jahren alten Brüder weitere Anschläge geplant hatten.

Die Polizei nahm neun Verdächtige aus dem Umfeld der Terroristen in Gewahrsam. Für neue Terrorangst sorgte eine Schießerei im Süden von Paris, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen Polizisten verletzte. Zunächst gab es keine Hinweise darauf, dass die Taten zusammenhängen.