Magdeburg l Familie Schrapel in der Sudenburger Friedenshöhe ist nur eine der betroffenen Familien. Auf schnelles Internet hatten sich die Mitglieder gefreut. Doch was sie erlebte, beschreibt die Familie als Albtraum. "Die Garageneinfahrten und die Hauseingänge wurden einfach mit Bauzäunen zugestellt, und die Anwohner mussten sich erst Platz schaffen, um überhaupt auf die Straße zu gelangen", berichtet die Familie der Volksstimme. Die Postfrauen hätten ihre liebe Not gehabt, um an die Briefkästen zu gelangen. Doch das Schlimmste sei erst noch gekommen: "Nach der Fertigstellung und der Einebnung der Fußwege bot sich für die Bewohner ein Bild des Grauens", heißt es.

Steine abgefahren und durch Schotter ersetzt

Die Fußwege, schon vorher in keinem gutem Zustand, seien anschließend fast nicht mehr zu Begehen gewesen "durch das ständige einseitige Befahren mit Baufahrzeugen". Überflüssige Steine seien einfach abgefahren und durch Schotter ersetzt, mit der Rüttelmaschine alles festgefahren worden. Dieser Zustand sei bis heute geblieben.

Und die Familie ist nicht die einzige, die sich beschwert. Eine weitere Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, beklagt sich ebenfalls über das Vorgehen der Firma. Von mangelnden Informationen zum Baubeginn, gar Hausfriedensbruch ist die Rede. Die Bauarbeiter seien einfach auf ihr Grundstück gegangen und hätten dort ein Loch gegraben. In das sei sie sogar hineingefallen, weil sie nichts davon gewusst habe. Es sei ein Glück gewesen, dass weiter nichts passiert sei. Sie ärgert sich zudem, dass der Auftrag nicht an eine Firma aus der Region vergeben worden sei.

Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner bestätigt: 300 Hausanschlüsse habe die Firma im Wohngebiet "Friedenshöhe" und in Neue Neustadt gelegt. 240 davon befinden sich in der Friedenshöhe, 60 in Neue Neustadt. "Im Prinzip" seien alle mit Mängeln behaftet. Abgenommen seien die Arbeiten noch nicht, "wegen der vielen Mängel, die von der mittlerweile insolventen Baufirma, die wir mit den Arbeiten beauftragt hatten, verursacht wurden", begründet von Wagner.

Die Dokumentation der Baustellen sei allerdings Aufgabe des Auftragnehmers. "Wir prüfen derzeit, inwiefern Regressansprüche geltend gemacht werden können", fährt er fort. Warum gerade eine Firma aus Holland den Auftrag bekam, begründet von Wagner auch: "Wir schreiben eine Baumaßnahme aus, und wenn sich nur eine Firma auf die Ausschreibung bewirbt, erhält diese auch den Auftrag." Eine Stellungnahme der Firma war nicht zu bekommen.

Dennoch können die Betroffenen hoffen: "Wir lassen die Oberflächen nach Beendigung der Baumaßnahme durch unsere Auftragnehmer in den ursprünglichen Zustand wiederherstellen", informiert der Telekom-Sprecher.

Weitere Maßnahmen werde die niederländische Firma nicht mehr ausführen. Zumindest etwas Positives kann der Sprecher aber auch noch vermelden. Am Fertigstellungstermin ändert sich nichts. Bis September 2015 sollen die Gebiete mit Glasfaserkabel und damit auch mit einem Zugang zum schnellen Internet ausgestattet sein. Denn die Telekom werde einen anderen Auftragnehmer mit der Maßnahme beauftragen.

Für die Betroffenen heißt es nun jedoch abzuwarten. Dabei wächst die Sorge vor Unfällen auf den Gehwegen, wenn erst der Winter mit Schnee und Eisglätte auch in der Landeshauptstadt Einzug hält.