Magdeburg l Multiresistente Erreger (MRE) sind Bakterien, die gegen wichtige Antibiotika immun sind. Viele Menschen tragen sie auf der Haut und in den oberen Atemwegen. Meist lösen diese dort keine Krankheitssymptome aus. Ist jedoch das Immunsystem des Menschen geschwächt, können sich die Keime ausbreiten und Hautinfektionen, lebensgefährliche Entzündungen des Herzens, Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen auslösen. Um die Zahl von MRE-Infektionen zu verringern, tritt die Techniker-Krankenkasse (TK) für eine konsequente Händedesinfektion als eine der einfachsten und zugleich wirksamsten Maßnahmen im Kampf gegen die Keime ein.

"Leider wird dem Thema noch längst nicht in allen Kliniken die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet", kritisierte gestern TK-Landeschef Jens Hennicke auf einer Pressekonferenz. "Bislang engagieren sich nur 25 der 48 Kliniken in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Anfang 2008 ins Leben gerufenen bundesweiten Aktion `Saubere Hände`."

Als nachahmenswertes Beispiel bezeichnete Hennicke das Vorgehen der US-amerikanischen Mayo-Kliniken. Dort werde den Patienten von der Klinikleitung geraten: Lassen Sie sich von keinem Arzt oder Pfleger anfassen, der sich nicht vor Ihren Augen die Hände desinfiziert hat!

Die Behandlung der MRE-Infektionen komme die Krankenkassen teuer zu stehen, sagte Hennicke. "Allein für jene Versicherten, bei denen eine Ansteckung mit diesen Erregern eindeutig nachgewiesen wurde, und bei denen eine stationäre Versorgung erforderlich war, wandte die TK zwischen 2008 und 2010 nach einer Studie mit 11 000 betroffenen Versicherten jährlich rund 62 Millionen Euro auf." Pro Patient seien das durchschnittliche Mehrkosten in Höhe von 17 500 Euro gewesen.

Dazu komme, dass sich die Verweildauer von MRE-Patienten im Krankenhaus durchschnittlich von neun auf 27 Tage verdreifache. Hochgerechnet auf alle gesetzlichen Krankenkassen sei davon auszugehen, dass die multiresistenten Erreger bundesweit Kosten von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr verursachen.

Die TK trete für eine Erweiterung der systematischen Untersuchungen (Screenings) in den Krankenhäusern und für die Entwicklung einheitlicher Hygiene-Qualitätsstandards ein, so der TK-Chef. Zustimmung findet die Kasse dafür in Sachsen-Anhalts Sozialministerium, wie Referatsleiterin Heidemarie Willer auf der Pressekonferenz sagte.

Zugleich machte sie deutlich, dass der Kampf gegen die Keime nicht allein auf die Krankenhäuser beschränkt werden dürfe, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Es werde leichtfertig mit der Anwendung von Antibiotika umgegangen, sowohl bei der Behandlung von Menschen als auch in der Tierzucht.

Als Beispiele für den konsequenten Kampf gegen MRE-Infektionen bezeichnete sie das 2010 gegründete Netzwerk Hygiene in Sachsen-Anhalt (HYSA), die Krankenhaus-Hygieneverordnung von 2012 sowie die jüngsten Maßnahmen gegen einen Schweinemastbetrieb in Sachsen-Anhalt.