Stiege l Den Morgen des 3. Dezember im vergangenen Jahr hat Birgit Zehnpfund nicht vergessen. "Ich hab` zu dem Mann noch ,Guten Morgen` gesagt, dann sah ich erst die Pistole und bekam einen Mordsschreck", erinnert sie sich.

Zwei Männer betreten nacheinander an jenem Montagmorgen um 8.40 Uhr den kleinen Verbrauchermarkt. Einer nimmt sofort die Kasse an sich, beide verschwinden, Birgit Zehnpfund erleidet einen Schock. Die Polizei nimmt später die Sachlage auf und spricht von einem pistolenartigen Gegenstand. "Für mich sah das klar wie eine Pistole aus", so Birgit Zehnpfund. Die Suche nach den Räubern wird aufgenommen, verläuft aber bis heute ohne Erfolg, wie Sprecher Peter Pogunke vom Polizeirevier Harz in Halberstadt auf Nachfrage mitteilt.

Die Beute der Räuber betrug in Bargeld etwa 310 Euro. "Ich dachte, mich trifft der Schlag", sagt die sonst resolute, quirlige Frau mit 20 Jahren Berufserfahrung. Dass die Kasse weg war, hat sie besonders geärgert. "Der Verkauf musste doch weitergehen", so die Verkäuferin mit Leib und Seele. Aus ihrem seelischen Tief halfen der Frau und Mutter die Kunden heraus.

Denn die standen plötzlich ohne die gewohnte Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs da. "Wir helfen", machten Udo Witzel, Anneliese Weidner, Steffen Wedlich und andere Stammkunden umgehend klar. "Ich richtete sogar eine Spendenbüchse ein", erzählt die Verkäuferin mit dem Anflug eines Lächelns. Bald konnte sie eine kleine Kasse anschaffen. "Der Verkauf geht weiter", sagt sie mit Dank an alle Spender.

"Hoffentlich trägt mein Fall aber auch dazu bei, dass man uns Landbewohner nicht ganz vergisst", sagt die Stiegerin weiter. Denn kleine Orte würden manchmal vergessen, so ihr Eindruck. Eine halbe Ewigkeit habe es etwa gedauert, bis die Lampe am Haus gegenüber endlich repariert wurde - nach dem Überfall. "Bis dahin war es abends stockdunkel hier", berichtet die Frau. Sie habe an Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) geschrieben, dass die Belange der Landbewohner nicht vergessen werden dürfen, erklärt sie. Eine Antwort stehe aus. "Ich bin trotz alledem guter Hoffnung", sagt sie optimistisch, "dass man an uns denkt. Stiege hat ja mehr zu bieten als eine geschlossene Tourist-Info und zwei Teiche mit Wasser."

Ein bisschen Angst habe sie manchmal aber immer noch, wenn ein Mann vor ihrem Laden stehenbleibt.

 

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