Magdeburg l Mit mehreren Gegendemonstrationen von insgesamt rund tausend Teilnehmern ist es am Freitagabend gelungen, einen Aufmarsch von rund 300 Rechtsradikalen durch den Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt zu blockieren. Der Zug musste daraufhin eine andere Route nehmen. Die Rechten waren mit Fackeln und Transparenten durch den nördlichen Stadtteil marschiert. Anlass der Demonstrationen war der 70. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs. Damit kamen zu dem alljährlichen Rechtenaufmarsch in diesem Jahr deutlich weniger Teilnehmer als noch vor einem Jahr. Da waren es 850 Rechte verschiedener Freier Kameradschaften aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie kamen diesmal aber nur aus der Region, unter anderem aus dem Nordharz und der Altmark.

Die Polizei räumte immer wieder kleine Gruppen Gegendemonstranten von der Straße. Es kam zu vereinzelten Festnahmen, erklärte gestern Abend Polizeisprecher Marc Becher. Unter den Protestteilnehmern waren auch die beiden Landtagsabgeordneten Birke Bull (Die Linke) und Sören Herbst (Grüne), die sich dem Aufzug in den Weg setzten und von der Polizei an den Straßenrand tragen ließen.

Insgesamt waren 1500 Beamte aus vier Bundesländern im Einsatz. Bereits am Nachmittag glich die Landeshauptstadt einer Festung.

Von Ausschreitungen oder Verletzten war bis Redaktionsschluss nichts bekannt geworden.

Bereits gegen 15 Uhr hatten sich zur offiziellen Gedenkfeier rund 250 Menschen auf dem Westfriedhof versammelt. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), Landesvorsitzender des Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge Dieter Steinecke, Superintendent der Evangelischen Kirche Stephan Hoehnen und Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) legten Kränze nieder.

Rechten-Demo für Sonnabend abgesagt

Für den heutigen Sonnabend wird zur Meile der Demokratie entlang des Breiten Weges nach Magdeburg eingeladen. Rund 10000 Menschen werden vom Bündnis gegen Rechts erwartet. Organisiert wird ein buntes Straßenfest. Unter anderem wird dabei ein 1,6 Kilometer langer Schal zu einer Menschenkette entrollt. Rund 170 Akteure, darunter Vereine, Bands, Kirchengemeinden, Kultureinrichtungen und 21 Schulen treten dabei auf.

Eine für den Sonnabend durch die Partei "Die Rechte" angemeldete Demonstration ist Freitagabend abgesagt worden. Das bestätigte Polizeisprecher Frank Küssner.

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