Wernigerode/Darlingerode l Nachwuchs ist da, die Wohnung zu klein. Auf die Schnelle eine größere Wohnung finden - Fehlanzeige. Deshalb haben sich Christian und Sabrina Schwertner aus Wernigerode für den Bau eines Eigenheims entschieden.

"Wir haben zuerst in der Stadt nach Grundstücken und Häusern gesucht, die zum Verkauf stehen", sagt Christian Schwertner. Ohne Erfolg. Gebrauchte Immobilien seien entweder extrem überteuert oder sofort verkauft gewesen. Beim Kauf eines Baugrundstückes in Wernigerode müsse man tief in die Tasche greifen. Weit mehr als 100 Euro pro Quadratmeter seien keine Seltenheit, so Schwertner.

"Stress ohne Ende. Davon kann jeder Häuslebauer ein Lied singen." - Christian Schwertner

Deshalb setzte die junge Familie ihre Suche in Darlingerode fort und wurde dort fündig. Warum Darlingerode? "Es liegt im Speckgürtel von Wernigerode. Das war uns wichtig, weil wir beide in der Stadt arbeiten", sagt der Familienvater. Was die Infrastruktur betreffe, sei der kleine Ort sehr gut entwickelt. Es gibt eine Schule, einen Kindergarten, einen Supermarkt, Ärzte und Zuganbindung. Nur die Apotheke, die fehlt. "Mit diesen Voraussetzungen ist Darlingerode für uns das attraktivste Dorf in der Umgebung." Außerdem hätten die deutlich günstigeren Grundstückspreise für den Ilsenburger Ortsteil gesprochen.

Mit dem Kauf des Grundstücks fingen die Schwierigkeiten erst an. "Davon kann sicher jeder Häuslebauer ein Lied singen. Stress ohne Ende", so Christian Schwertner rückblickend. Etliche Behördengänge standen an: Grundbuchamt, Bauanzeige, Abwasserverband, Stadtwerke. Besonders viel Wert legten die Schwertners auf die Auswahl der richtigen Hausbaufirma. "Man muss sich wohlfühlen. Der Bauleiter muss einem die Sicherheit geben, dass alles läuft."

Das Paar entschied sich schließlich für eine renommierte Firma, die im Jahr 400 Häuser baut. "Wir haben uns mit den Mitarbeitern hingesetzt und den Grundriss erarbeitet", erinnert sich Christian Schwertner. Nachdem das Bauprojekt genehmigt war, rollten vor gut einem Jahr die Bagger an. "Irgendjemand von uns war immer vor Ort. Als Ansprechpartner für die Bauleute oder einfach, um Gehacktesbrötchen und Kaffee bereit zu stellen." Knapp sechs Monate dauerten die Arbeiten. "Der milde Winter hat uns in die Karten gespielt."

Christian Fischer und seine Familie haben auf der Suche nach dem geeigneten Haus ähnliche Erfahrungen gemacht. "Wir haben den Markt über mehrere Jahre beobachtet. Die Sanierung eines Fachwerkhauses in der Innenstadt kam für uns nicht in Betracht. Dazu sollte man Profi sein und über sehr viel Zeit und Liebe zum Bau verfügen", so Fischer.

"Ein Haus ohne Fehler gibt es nicht. Man muss flexibel sein." - Christian Fischer

Wegen der hohen Nachfrage bei nur geringem Angebot seien Preisverhandlungen "nach unten" in Wernigerode kaum möglich. "Junge Bauherren dürfen nie vergessen, dass Makler, Veräußerer und Baufirmen keine wohltätigen Unternehmen sind, sondern einen Gewinn erzielen wollen." Das gelte auch für Banken.

Wichtig war für die fünfköpfige Familie die Nähe zur Innenstadt und zum Bahnhof, hohe Energieeffizienz und mindestens 150 Quadratmeter Wohnfläche mit drei Kinderzimmern. Die Fischers kauften letztlich ein neugebautes Haus in der Endphase der Fertigstellung. Den Preis hätten sie durch eine Mängelabrechnung um gut zehn Prozent drücken können. "Ein Haus ohne Fehler gibt es nicht. Wie im normalen Leben muss man flexibel sein und mit Kompromissen leben können."

Juristische und bautechnische Kenntnisse seien unabdingbar, sagt Christian Fischer, selbst studierter Jurist. Erst durch eigene Prüfung sei ihnen aufgefallen, dass die Immobilie über keine Baugenehmigung verfügte. "Dieser Mangel konnte behoben werden, kostete aber Zeit." Sind keine Erfahrungen vorhanden, sollten Ausgaben für externe Gutachter, Ingenieure und Juristen einkalkuliert werden.

Den Kauf haben die Fischers nicht bereut, ebenso wenig wie die Schwertners in Darlingerode. "Nichts geht über ein Eigenheim", sagt Christian Schwertner. Man zahle es für sich ab, müsse nicht auf Nachbarn Rücksicht nehmen. "Es war die ganze Mühe wert. Es ist traumhaft, wir wollen hier nicht mehr weg", sagt er mit Blick über den Garten.