Quedlinburg/Halberstadt l Schwere Kindesmissbrauchs-Vorwürfe sorgen im Harzkreis für Entsetzen. Eine 35 Jahre alte Frau aus Quedlinburg soll ihre erst zehnjährige Tochter für sexuelle Dienste bundesweit an Männer verkauft haben. Hauke Roggenbuck von der Staatsanwaltschaft in Halberstadt bestätigte am Mittwoch gegenüber der Volksstimme entsprechende Ermittlungen gegen die Frau.

"Die Taten sollen im Zeitraum zwischen 2010 und Anfang 2014 passiert sein", so der Oberstaatsanwalt. Die 35-jährige Quedlinburgerin, die in der Vergangenheit bereits mit Bagatelldelikten strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, befinde sich seit Dezember auf Beschluss des Amtsgerichtes Quedlinburg in Untersuchungshaft. Ihr werde schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Staatsanwaltschaft überprüft mögliches zweites Opfer

Der Fall selbst und die bislang bekannten Fakten sorgen auch bei den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft für blankes Entsetzen. Oberstaatsanwalt Roggenbuck zeigte sich erschüttert: "So etwas haben wir hier noch nicht erlebt". Seine Stellvertreterin, Oberstaatsanwältin Eva Vogel, fand mit Blick auf das, was bislang bekannt ist, noch deutlichere Worte: "Das ist einfach widerwärtig".

Fest stehe gegenwärtig, dass auf jeden Fall die 35-jährige Mutter ihre Tochter gegen Geld für sexuelle Dienste an Männer verlieh, lässt Hauke Roggenbuck durchblicken. Die Taten sollen im Herbst 2010, als das Mädchen gerade mal zehn Jahre alt war, begonnen und bis Januar 2014 ihre Fortsetzung gefunden haben.

Ob neben dem Mädchen noch eine zweite, fünf Jahre ältere Jugendliche - möglicherweise eine Freundin des Kindes - zum Opfer wurde, steht laut Roggenbuck gegenwärtig noch nicht endgültig fest. "Es könnte sein, dass dem so ist, wir prüfen das gerade. Im Wesentlichen geht es aber um die Tochter der Beschuldigten." Unklar ist nach den Worten des Halberstädter Chefermittlers auch, ob die 35-jährige Quedlinburgerin letztlich gar einen regelrechten Kinder-Porno-Ring aufgebaut hat oder aufbauen wollte. "Wir sind auch hier dran und untersuchen die genauen Umstände."

Beschuldigte Mutter in Haft

Sicher sei indes, dass bislang insgesamt sieben konkrete Taten bekannt sind - sowohl im Harz-Raum als auch bundesweit. Nach Volksstimme-Informationen soll die Tochter auch in Mittel- und in Norddeutschland an Kunden vermittelt worden sein. Im Gegenzug kassierte die Mutter von den Freiern offenbar Beträge zwischen minimal 50 und mehreren hundert Euro. Zu Details, wie sich die Männern an den beiden Mädchen vergangen haben sollen, hält sich Roggenbuck mit Blick auf die laufenden Ermittlungen bedeckt.

Auf die Spur der Frau seien die Ermittler eher zufällig gestoßen, signalisiert der Oberstaatsanwalt. "Andere Behörden sind auf die Männer aufmerksam geworden, im Zuge dieser Ermittlungen kam auch das Treiben mit den Mädchen ans Licht."

Die verantwortlichen Haftrichter im Amtsgericht Quedlinburg erließen am 22. Dezember auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Halberstadt Haftbefehl gegen die Mutter. Einen Tag später wurde sie nach Volksstimme-Informationen in Dresden festgenommen. Später wurde sie über die Vollzugsanstalt Chemnitz ins Frauen-Gefängnis nach Halle verlegt.

Strafverteidiger betroffen

Ihr Rechtsanwalt, der Strafrechtler Jens Glaser, spricht mit Blick auf seine Mandantin und die im Haftbefehl benannten Fakten von "ungeheuerlichen Vorwürfen". "Ich kenne nur den Haftbefehl, habe Akteneinsicht beantragt und hatte bislang noch keine Gelegenheit dazu", so der Halberstädter Jurist. Er wolle sich noch in dieser Woche ein erstes konkretes Bild machen. "Außerdem will ich meine Mandantin in den nächsten Tagen im Gefängnis aufsuchen", so Glaser zur Volksstimme. Erst danach könne er sich umfassend zu den gesamten Vorwürfen äußern.

Allerdings reagierte der Strafverteidiger schon jetzt mit Betroffenheit. "Selbst wenn man als Rechtsanwalt schon viel erlebt hat, gibt es Dinge, die einen berühren und betroffen machen." Glaser selbst hielt sich zunächst mit inhaltlichen Bewertungen zurück, formulierte jedoch einen inhaltlich bedeutsamen Satz: "Ich weiß, dass sowohl die Staatsanwaltschaft in Halberstadt als auch die Richter des Quedlinburger Amtsgerichtes nicht leichtfertig Haftbefehle beantragen oder erlassen."

Die beschuldigte Quedlinburgerin soll sich nach Volksstimme-Informationen noch nicht zu den Vorwürfen geäußert haben. Ihre Tochter befindet sich nach den Worten von Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck mittlerweile an einem sicheren Ort und in psychologischer Betreuung.