Möckern l Nachdem die PHW-Gruppe, zu der auch das Wiesenhof-Unternehmen zählt, kurzzeitig überlegt hatte, den Standort Möckern ganz zu schließen, wird nach einer Neuausrichtung nun sogar darüber nachgedacht, in Möckern weiter zu wachsen. Diese Aussage traf Paul-Heinz Wesjohann, der den SPD-Landrat unlängst auf dem Schlachthof begrüßte.

Für Landrat Steffen Burchhard war es die erste Visite in dem Geflügel verarbeitenden Betrieb. Sein Interesse für das Unternehmen kommt nicht von ungefähr, da an den Fließbändern auch Amtstierärzte des Kreisveterinäramtes kontrollieren. Auch bei den angedachten Investitionen bei Wiesenhof werden Anträge auch über die Schreibtische der Kreisverwaltung gehen.

"Ich begrüße, wenn sich ein Unternehmen früh um eine Kontaktaufnahme bemüht", so Steffen Burchhardt. Bereits angekündigt hat der seit etwa einem Jahr unter "Anhaltinische Gegflügelspezialitäten" firmierende Wiesenhof-Betrieb den geplanten Einbau einer neuen Kühlanlage in Möckern. Nach Aussagen des Firmenchefs wurden und werden mehrere Millionen Euro für den Umbau in die Hand genommen.

Künftig nur noch 20 Prozent Tiefkühlware

Derzeit halten sich die Produktionslinien Tiefkost und Frischfleisch am Standort Möckern etwa die Waage, führt der Schlachthof-Geschäftsführer Michael Schönewolf aus. In den kommenden Monaten soll sich das nun ändern. Der einstige Schlachthof des DDR-Kombinates Industrielle Mast (KIM), der zu Beginn auf den Frostmarkt ausgerichtet war, soll bis zu 80 Prozent seiner Geflügelprodukte auf dem Frischfleischmarkt verkaufen. Damit reagiert man auf die veränderte Marktsituation, die sich mit Blick auf künftige Handelsabkommen mit Amerika noch ändern dürfte, sagt Geschäftsführer Schönewolf: "Der Frostmarkt stagniert insgesamt, der Handel mit Frischfleisch nimmt dagegen zu."

Anders als im Frischfleischbereich zu erwarten, sieht man in der Wiesenhof-Unternehmungsführung die Möglichkeit, dass Mitbewerber aus den USA oder Brasilien ihre Frostware auf dem europäischen Markt zu niedrigeren Preisen anbieten können, wenngleich bei geringerer Qualität. "Dieser Markt könnte für uns dann fehlen", so Michael Schönewolf. Paul-Heinz Wesjohann ist davon überzeugt, dass durch die Verwendung von Chlor, wie in den USA, die Gefahr von Salmonellen nicht gebannt wird. Es solle bei den internationalen Handelsverträgen berücksichtigt werden, dass die günstigeren Preise dort nur durch andere Herstellungsverfahren erzielt werden können. Eine zusätzliche Verzollung sowie die Kennzeichnungspflicht "chemisch behandelt" wäre zu empfehlen.

Ziel für die Zukunft: 220 000 Tiere täglich

Mit der stärkeren Konzentration auf den Frischfleischmarkt blickt das Unternehmen aber optimistisch in die Zukunft: Derzeit wird geprüft, ob die tägliche Hähnchenproduktion in Möckern von zurzeit 160 000 Tieren gesteigert werden kann. "Geprüft werden jetzt die technischen Voraussetzungen und Fragen zur Genehmigungsfähigkeit", so Michael Schönewolf. Anvisiert ist, dass in zwei bis drei Jahren täglich bis zu 220 000 Hühner am Standort Möckern geschlachtet werden.

Am Standort Möckern beschäftigt das Wiesenhof-Unternehmen derzeit 375 Mitarbeiter im Schlachthof sowie 150 Mitarbeiter im Geflügelhof (Bereich Lebendtierhaltung). Im Schlachthof Möckern wird im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Die dritte Schicht in der Nacht dient der Reinigung der gesamten Anlage, erklärt Schlachthof-Geschäftsführer Schönewolf.

Landrat Burchhardt: "Positiver Gesamteindruck"

"Der Gesamteindruck ist positiv", sagte Landrat Burchhardt nach der Führung durch den Betrieb. Er habe so auch einen Einblick in die Arbeitsbedingungen seiner Veterinäre bekommen können. "Ich habe seitens des Unternehmens eine Offenheit festgestellt, die der Thematik gut tut. Das Thema birgt ja Vorbehalte", so Burchhardt mit Blick auf die Vorwürfe etwa zur Massentierhaltung. Zum Kontrollapparat sagte Burchhardt: "Der Landkreis ist nur ein Baustein bei der Hygienekontrolle. Der Druck seitens des Marktes, bester Anbieter zu sein, ist sicher größer als der Druck der Behörden."

Sein Besuch habe klären sollen, ob es offene Fragen oder Probleme gibt. "Ich wünsche mir den Dialog mit den Firmen im Landkreis", so Steffen Burchhardt. Es gebe ja viele Berührungspunkte mit den Behörden, etwa bei Bau- oder Umweltaspekten.

Ebenfalls bei dem Landratsbesuch mit dabei waren der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Edmund Herrmann, der Landtagsabgeordnete Markus Kurze, Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly und Gerd Bathge. Landrat Burchhardt wurde begleitet von Mitarbeitern der Veterinärbehörde.

 

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