Magdeburg l Kleine Übung zum Zurechtfinden auf dem Campus: Wo tagt der Akademische Senat, das Leitungsgremium der Otto-von-Guericke-Universität? Die Studienanfänger müssen nicht lange suchen, die älteren Semester haben eine Spur gelegt. Eine promillehaltige Spur: Auf der Treppe steht eine Bierflasche. Alle paar Stufen folgen weitere - Prost!

Am Ende der Campus-Rallye haben die Neuen zwar einen Überblick über die wichtigsten Uni-Gebäude. Manches verschwimmt allerdings im Alkoholdunst. Später am Abend steigt der Pegel noch - dann schenken die Fachschaftsräte bei ihren Partys aus.

Der Start ins akademische Leben ist an der Uni Magdeburg eine feuchtfröhliche Angelegenheit. Zu Beginn dieses Wintersemesters wurde gebechert wie noch nie. "Da sind Dinge geschehen, die wir der Öffentlichkeit nicht noch einmal zumuten wollen", sagt Uni-Kanzler Volker Zehle. Magdeburger hätten sich über halb entkleidete Studenten vor der Lukasklause empört, Eltern berichteten, ihre gerade volljährigen Kinder seien zu Trinkspielen genötigt worden.

Alkoholverbot auf dem Uni-Campus

Eine Party der Wirtschaftswissenschaftler schlug dem Fass den Boden aus. Am Morgen danach waren die Toiletten, der Flur und sogar Seminarräume von Gebäude 22 mit Scherben übersät, Fußböden beschädigt, ein Fahrstuhl defekt. "Die sind darin wohl so lange gehüpft, bis die Elektronik versagt hat", vermutet Zehle. Einer Regressforderung in fünfstelliger Höhe entging der Fachschaftsrat nur knapp: Zufällig stand die turnusmäßige Wartung an, die Experten brachten den Lift in Ordnung. "So etwas darf es in diesem Jahr nicht noch einmal geben", sagt Zehle.

Um ein Zeichen zu setzen, legte die Uni-Spitze kurzzeitig den Campus vollständig trocken. "Das Ausschenken von Alkohol ist an der OvGU Magdeburg nicht gestattet", beschloss die Dienstberatung am 11. November - ein wohl einmaliger Beschluss an einer deutschen Hochschule. Der Studentenrat lief Sturm. Denn viele studentische Initiativen nutzen gerade die Adventszeit, um mit Glühweinständen um Nachwuchs zu werben.

Strengere Regeln für Erstsemesterpartys

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) fürchtete zudem um seine Spendenaktion. Die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf sollten an ein Kinderheim gehen. "Wir waren geschockt vom Ausschankverbot, weil wir die Plakate schon gedruckt hatten", sagt Johannes Voß.

Den Kommilitonen schlicht Tee anzubieten komme nicht in Frage: "Das läuft einfach nicht. Viele trinken eben gern mal einen Glühwein", sagt Voß. Die Uni-Spitze lenkte ein und kassierte ihren Alkohol-Bann nach wenigen Tagen - wohl auch deshalb, weil sie ihren Professoren das Glas Sekt bei akademischen Feiern nicht verbieten mag.

Die Uni setzt nun auf strikte Kontrolle: Maximal sechs Glühweinstände pro Tag sind erlaubt, für Party-Schäden an Uni-Gebäuden und zusätzliche Reinigungskosten muss der Veranstalter geradestehen. In der kommenden Woche will der Kanzler mit Studentenvertretern besprechen, wie sich die Erstsemesterbespaßung auf Saft und Cola umstellen lässt.

Fachschaftspartys vor unsicherer Zukunft

Der Studentenrat hat die Trinkerei bereits selbst als Problem ausgemacht. "Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich das deutlich verschärft. Wir sehen uns da in der Pflicht", sagt Stura-Sprecher Sebastian Hentschel.

Vor einer unsicheren Zukunft stehen die Partys der Fachschaftsräte. Zehle will dafür am liebsten den ehemaligen Studentenclub Projekt7 reaktivieren. Dort ist allerdings nur Platz für 200 Gäste - die Fete der Maschinenbauer, das Rhino-Open-Air, hat im vergangenen Jahr rund 1000 Besucher angelockt. Karmand Abdallah vom Fachschaftsrat hofft, dass die Uni auch in diesem Jahr das angestammte Uni-Gebäude 16 freigibt. "Unsere Party ist eine entspannte Sache", versichert er, "nichts, was eskaliert."