Blankenburg l Es muss ein traumhaftes Haus gewesen sein: die Jugendstil-Villa in der Westerhäuser Straße, in der Martina G. (Name von der Redaktion geändert) seit rund 14 Jahren wohnt, gemeinsam mit ihren vier Kindern, von denen zwei bereits eine Lehre absolvieren. Dass sich die Wohnung des Ex-Lebenspartners ebenfalls in dem Haus befindet, wird vom Job-Center argwöhnisch beäugt. Denn Martina G. ist auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen. Doch nicht nur die unterschiedliche Sichtweise, ob eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft vorliegt oder nicht, hat das Verhältnis zwischen Kommunaler Beschäftigungsagentur (KoBa) und Martina G. aufs Äußerste belastet. Große Probleme hat sie auch mit dem Vermieter in Bad Harzburg - dem gerichtlich bestellten Zwangsverwalter für die Immobilie. Es geht um Geld. Im Detail um die vereinbarte Warmmiete von 858 Euro. Denn seit längerem übersteigen die monatlichen Heizkosten des unsanierten Hauses den zuvor kalkulierten Betrag bei Weitem. Die KoBa wiederum weigere sich, die tatsächlichen Kosten zu übernehmen, sagt Martina G. und steht inzwischen vor einem Scherbenhaufen.

Zum Verhängnis werden ihr Mietschulden sowie das Festhalten an ihrer Wohnung und ihrem familiären Umfeld. In der vergangenen Woche haben die Blankenburger Stadtwerke auf Betreiben des Vermieters den Gas- und Stromzähler aus dem Haus ausgebaut. Seither sitzt sie mit ihren Kindern im Kalten. Trotz eines sogenannten Versäumnisurteils, wonach zunächst nur ein Zähler hätte gesperrt werden sollen. "Das Urteil wurde missbraucht", sagt sie. Am Dienstag, 27. Januar, gibt es dazu sogar einen Gerichtstermin.

Ihr zur Seite steht seit wenigen Tagen immerhin Rainer Böhmer, zertifizierter Hartz-IV-Berater aus Wernigerode. "Eigentlich ist die Wohnung unbewohnbar", sagt er über die Räume in der Westerhäuser Straße. Trotzdem wertet er das Handeln des Vermieters als "Schweinerei". Gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der KoBa sucht er nun nach einer Lösung, die Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) spontan nicht parat hatte. Grund ist die Vorgeschichte: "Es gibt keinen Vermieter, der unter diesen Vorzeichen einen Mietvertrag eingehen würde". Einzige Möglichkeit, so Noll, wäre eine Vereinbarung zwischen Martina G. und der KoBa, dass monatliche Miet- und Nebenkostenzahlungen direkt an den Vermieter und die Versorgungsunternehmen geleistet werden.

Darauf, so KoBa-Fachbereichsleiterin Sandra Wehr, würde sich die Behörde durchaus einlassen - das Einverständnis der Betroffenen vorausgesetzt. "Auf Wunsch können wir die Miete aber auch direkt an den Vermieter überweisen". In Fällen, in denen schon Mietrückstände bestehen, die Wohnung deshalb bereits vom Vermieter gekündigt wurde oder Energiekostenrückstände aufgelaufen sind, die zu einer Versorgungsunterbrechung führen können, ist die KoBa sogar ohne Zustimmung des Mieters zur Zahlung an den Vermieter berechtigt.

"Das Gesetz räumt uns diese Möglichkeit ein, um zu verhindern, dass jemand obdachlos wird oder ohne Strom im Dunkeln sitzt, weil er die ausgezahlte Miete nicht an seinen Vermieter weitergibt", erläutert Sandra Wehr dieses Vorgehen. "Muss jemand in eine neue Wohnung umziehen, weil er vom bisherigen Vermieter gekündigt wurde, dann kann die KoBa wegen der besonderen Umstände auch die Kosten für den Umzug übernehmen, natürlich in einem normalen Kostenrahmen".

Bürgermeister Noll: "Wenn wir das hinbekommen, könnten wir ihr sofort eine Wohnung anbieten."

Am Freitag tagte auf Betreiben von Rainer Böhmer der Familienrat mit dem Ziel, die älteren Söhne zu bewegen, eine eigene Wohnung zu finden. Er selbst habe bereits eine Bleibe für Martina G. in Aussicht. "Das ,Hotel Mama` ist keine Dauerlösung, für viele aber die einzige Alternative, wenn das selbstständige Leben nicht funktioniert", sagt Martina G., die ihre Familie unbedingt zusammenhalten möchte.