Magdeburg l Die 51-jährige Magdeburgerin durchlebt die Tat in ihrem Albtraum immer wieder. Sie traut sich nachts kein Fenster mehr zu öffnen und gerät in Panik, wenn ein dunkel gekleideter Mann ihr auch nur entgegenkommt.

Das Verbrechen, dem sie in der Nacht zum 13. Oktober vergangenen Jahres zum Opfer fiel, geschah in ihrer Parterrewohnung im Magdeburger Stadtteil Neu-Olvenstedt. Und das nur sechs Tage nachdem ihr Mann wegen eines Schlaganfalls verstorben war. Besonders tragisch: Ein neunjähriger Junge ist beim Überfall mit in der Wohnung und erlebt einen Teil der Tat mit.

Der 28-jährige Angeklagte zeigt am Freitag zum Prozess-auftakt vor dem Magdeburger Landgericht Reue und legt ein umfassendes Geständnis ab. Er sagt: "Ja, ich gebe die Tat zu und habe die Frau zum Sex gezwungen. Es tut mir unendlich leid."

Nach seinen Darstellungen und denen von Staatsanwalt Ingo Heidelberger in seiner Anklage soll sich das Geschehen in der Nacht zum 13. Oktober wie folgt abgespielt haben: Michael S. wohnt mit seiner Familie, mit zwei Kindern und seiner Frau, ganz in der Nähe der Parterrewohnung des späteren Opfers. Er kennt das Ehepaar vom Gassigehen mit seinen Hunden. Man ist sich in den vergangenen zwei Jahren auch schon häufiger begegnet, wechselte oberflächlich einige Worte über die Tiere.

Opfer lässt Tat wegen Kind über sich ergehen

An diesem Tag vor der Tat erfährt er auch vom späteren Opfer selbst, dass ihr Ehemann verstorben sei, als beide zusammen auf der Straße eine Zigarette rauchten. Da habe er "vielleicht einige Signale falsch verstanden", sagt er später. Am Abend trinkt er noch ein paar Bier, hat auch Sex mit seiner Ehefrau und geht gegen 23 Uhr noch mal auf die Straße. "Eine Runde drehen, um den Kopf frei zu bekommen", wie er später sagt. Der ehemalige Kraftfahrer bei der Bundeswehr trägt zu diesem Zeitpunkt eine schwarze Jogginghose, eine dunkle Jacke und eine Panzerfahrermütze, die zur Maskierung umfunktioniert werden kann.

Vor der Wohnung des Opfers habe es ihn "wie einen Schlag" getroffen. Er müsse unbedingt zu ihr. Der Angeklagte klettert gegen Mitternacht auf eine Sitzbank, steigt auf eine aufgefundene Kiste und überwindet die Balkonbrüstung. Da die Tür nur angekippt ist, greift Michael S. hindurch und öffnet sie. Im Wohnzimmer läuft zufällig noch der Fernseher und sorgt für Restlicht in der Dunkelheit. Er geht zum Schlafzimmer und steht am Doppelbett der Frau. Sie schläft. Daneben liegt der Neunjährige. Der Eindringling legt erst das Handy vom Nachtschrank weg und rüttelt dann das Opfer wach. Die Frau schreit dabei kurz auf.

Er zerrt an ihrem Schlafzeug und schiebt sie wortlos über den Flur ins Wohnzimmer, wo er sie auf einem Fernsehsessel vergewaltigt. "Ich hatte Angst, dass er dem Kind was tun könnte", sagt sie später und unterlässt deshalb auch akute Gegenwehr. Als die Tat vollendet ist, verschwindet der Angeklagte wieder über den Balkon.

Nur zwei Tage später kann die Polizei den 28-Jährigen als Verdächtigen ermitteln. Die sichergestellten DNA-Spuren überführen ihn später. Bis dahin schwieg er in Untersuchungshaft. Ihm droht nun eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren. Mit einem Urteil wird am 2. Februar gerechnet.