Da fährt er hin, der schöne Doppeldecker, hinaus aus den Innenstädten. Aus einer nach der anderen wie ein alter Hund davongejagt. Bis 2008 erfreute der Bus Tausende Berlin-Touristen auf der Rundfahrt durch die Hauptstadt. Dann kaufte Magdeburg das imposante Gefährt - 70 Plätze, zwei Etagen, oben offen, Baujahr 1982. Fortan bestaunten Scharen von Städtereisenden aus dem guten, alten Bus den Dom, das Hundertwasserhaus, das Kloster. Der Rote war gut gebucht und gern gemocht. Nicht nur Touristen, sondern auch die Magdeburger schlossen ihn ins Herz. Jetzt soll er nicht mehr aus der Winterruhe in die Innenstadt zurückkehren, sondern nur noch in großem Abstand drumherum kurven.

Schuld ist das BImSchG, das Bundesimmissionsschutzgesetz. Dahinein diktierte die Europäische Union dereinst gestrenge Luftschutzregeln. Seit 2008 muss Plakette tragen, wer motorisiert in die Zonenstadt Berlin einreisen will. 2011 verhängte Magdeburg die Umweltzone samt Stinkerverbot. Der rollende Einwanderer von der Spree hangelte sich an der Elbe von Ausnahmegenehmigung zu Ausnahmegenehmigung. Die letzte ist am 15. Januar abgelaufen. Es herrscht Ausreisepflicht aus der City.

Es ist nun an den Tourismusplanern, alternative Routen durch Gebiete zu erdenken, in denen noch gemüffelt werden darf. Man muss das als Chance verstehen. Welcher Magdeburg-Tourist hat sich bisher je für das Gewerbegebiet in Rothensee interessiert? Ein Baustellen-Hopping übern Magdeburger Ring hätte auch Potenzial. Gute Reise!