Stendal l "Das war ein ziemlicher Tiefschlag für mich", erinnerte sich gestern Vormittag Markus Gutmann am Stendaler Landgericht. In Raum 213 saß der massige Mann vor der Ersten Zivilkammer unter dem Vorsitz von Landgericht-Vizepräsidentin Haide Sonnenberg. Gutmann wollte damals Ende der 90er Jahre als Leiter der Innenrevision den millionenschweren Umbau der ehemaligen Speicher zum Sparkassen-Hauptsitz prüfen. Doch das habe Vorstandschef Dieter Burmeister nicht zugelassen.

Mehr noch: Zu einem genauen Prüfplan bekam Gutmann Monate später einen Anruf vom Chef. "Ob ich das Papier wieder zurück haben wolle oder ob er es gleich wegschmeißen soll", habe Burmeisters Frage damals gelautet. Am nächsten Arbeitstag fand es Gutmann dann in der Hauspost. Geprüft worden sei dann nie.

"Mäusepisser, Erbsenzähler und Korinthenkacker"
Der 56-jährige Banker im Zeugenstand ist nicht irgendwer bei der Stendaler Sparkasse. Mit Erfahrungen bei anderen Sparkassen baute er Anfang der 90er Jahre die Revision zunächst in Osterburg und dann in Stendal auf. Seit 2006 ist Gutmann zudem als Verhinderungsvertreter Mitglied im erweiterten Vorstand. Und es war nicht die einzige Szene, die er während seiner einstündigen Aussage dem Gericht präsentierte.

Die Vorsitzende Richterin fragte mit staunendem Unterton, ob er es dann dabei bewenden gelassen habe. Die Innenrevision habe "einen schweren Stand" gehabt, erklärte Gutmann. "Beschimpfungen wie Mäusepisser, Hakenmacher, Korinthenkacker und Erbsenzähler sind für die Innenrevision heute noch feststehende Begriffe."

Dabei sei es nicht geblieben. "Selbst ich hatte Angst, dass er mich entlässt. Die Zahl der Drohungen habe ich aber irgendwann nicht mehr gezählt." Er habe "ein breites Kreuz", doch "wenn ich angeschrien wurde, hatte ich auch Schiss". Allerdings: "Andere Vorstandsmitglieder hatten mehr Schiss." Es sei "ein systematisches System der Angst, das in Stendal gelaufen ist", fasste er zusammen.

Gutmann betonte, dass die Innenrevision überschätzt werde: "Der Vorstand wird durch den Verwaltungsrat überwacht, nicht durch die Innenrevision. Sie ist ein Instrument des Vorstands." Dazu schob er eine weitere Inneneinsicht nach: "Wenn Herr Burmeister sagte, da gibt es nichts zu prüfen, war es nicht sehr klug, sich mit ihm anzulegen."

Permanent Rückfragen zu Baurechnungen
Wie schwer dieses Prüfgeschäft bei Bauprojekten war, schilderte zuvor bereits als erste Zeugin des Tages Kerstin B. Die langjährige Abteilungsleiterin Unternehmenssteuerung berichtete, dass der zuständige Abteilungsleiter Gerhard U. nur wenige Unterlagen weitergegeben habe. "Wir hatten permanent Rückfragen." U. sei dann "wenig kooperativ, diffus und wortkarg" gewesen.

Mindestens vier Mal habe sie deswegen beim damaligen Sparkassenchef vorgesprochen. "Er hat das zur Kenntnis genommen und nicht widersprochen. Das war`s." Daher hatte sie "nicht das Gefühl, dass das nachhaltig war".

Dass aber die Baukosten aus dem Ruder liefen, habe ihre Abteilung mehrfach dem Vorstand und dem Verwaltungsrat präsentiert. So haben die Aufwände jährlich den Plan bis zu 25 Prozent überschritten. Auch im Sparkassen-Vergleich seien die Grundstücksaufwendungen "überproportional" gewesen. "Daran konnte man erkenne, dass an dem System etwas nicht stimmte."

Auch Kerstin B. erinnert sich, das Dieter Burmeister mitunter "impulsiv geworden ist, dass da manche Angst hatten". Es habe bei ihm aber auch "viele positive Seiten" gegeben.