Fluchten in den letzten zehn Jahren

Ausbruch: Letztmalig 2007, häufiger sind Fluchten bei Ausführungen oder im offenen Vollzug

2004: 7 Fälle (JVA Halle, offener Vollzug Magdeburg, fünf bei Aus- und Vorführungen

2005: keine

2006: 1 Fall (bei Ausführung)

2007: 5 Fälle (JVA Dessau, offener Vollzug Magdeburg, offener Vollzug Halle, zweimal offener Jugendarrest Raßnitz)

2008: 4 Fälle (zweimal offener Vollzug Magdeburg, einer im offenen Vollzug Volkstedt und einer bei Ausführung)

2009 bis 2011: keine

2012: bei Ausführung

2013: keine

2014: 3 Fälle (Krankenhausaufenthalt in Halle und Vorführung aus Jugendarrest Raßnitz

Burg l Die Polizei im Jerichower Land fahndet noch immer nach dem 41-jährigen flüchtigen Häftling der Justizvollzugsanstalt Burg. Er war am 5. Januar bei einem Familienbesuch im offenen Vollzug in Magdeburg geflohen.

Carsten I. muss noch bis 2016 eine Freiheitsstrafe unter anderem wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein, Diebstahl und Hausfriedensbruch absitzen. "Da es sich bei dem Gesuchten nicht um einen Gewalttäter handelt, wird mit Entscheidung der Staatsanwaltschaft auf eine Öffentlichkeitsfahndung verzichtet", erklärt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Bei der Abwägung zwischen Persönlichkeitsrechten und Schutzbedürfnis der Bevölkerung habe man sich für das Erstere entschieden. Der Entflohene stehe aber dennoch ganz oben auf der Fahndungsliste der Polizei. Sobald der Mann irgendwo bei einer Kontrolle festgestellt wird, könne der Haftbefehl vollstreckt werden. Alle bekannten Kontaktadressen haben die Ermittler bereits überprüft. Er soll aus dem Raum Genthin stammen.

So recht erklären kann sich die Flucht der Burger Anstaltsleiter Thomas Wurzel nicht. Der Gefangene war zuvor zehn Mal ohne jede Auffälligkeiten im offenen Vollzug und stand kurz vor einem Haftprüfungstermin für eine vorfristige Entlassung. Die Flucht selbst steht übrigens nicht unter Strafe. "Allerdings muss der Gefangene die Zeit natürlich nachsitzen", erklärt Wurzel.

Außerdem dürften künftige Lockerungen dann auch kritischer gesehen werden. "In jedem Fall wird er wohl einen schlechteren Stand haben als vorher", sagt der Anstaltsleiter.

Justizsprecherin Ute Albersmann: "Entweichungen aus dem offenen Vollzug sind oft Kurzschlusshandlungen der Gefangenen. Sie lassen sich kaum verhindern."

Während klassische Ausbrüche sehr selten sind, sei bei Aus- und Vorführungen zu Ärzten und Gerichten die Gefahr größer. "Hier arbeiten wir an einer besseren Aus- und Fortbildung unserer Bediensteten", so Albersmann.

Trotz einiger spektakulärer Ausbrüche sind auch deutschlandweit Fluchten aus deutschen Gefängnissen seltener geworden. 2014 gab es nur sechs, in den beiden Jahren zuvor acht.