Schattenwirtschaft

Bei Schwarzarbeit umgehen Arbeitgeber und Beschäftigte Steuern und/oder Sozialabgaben. Sie ist ein Teilbereich der Schattenwirtschaft, zu der auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten zählen.

Besonders verbreitet in Gaststätten, Hotels, Landwirtschaft und Dienstleistungen im Haushalt. Auch in der Bauwirtschaft wird häufig am Fiskus vorbei verdient.

Auch Nachbarschaftshilfe kann illegal sein

Magdeburg (ms/dpa/AFP) l Eigentlich müsste die Schattenwirtschaft 2015 aufgrund der konjunkturellen Entwicklung um rund 1,3 Milliarden Euro schrumpfen, doch Mindestlohn und leicht steigende Sozialbeiträge wirken der Entwicklung entgegen. Das prognostizieren das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen und die Universität Linz in einer gemeinsamen Studie.

Allein die neue Lohnvorschrift lasse die dunklen Geschäfte um 1,5 Milliarden Euro wachsen. Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und andere gesetzwidrige Tätigkeiten würden also 2015 unterm Strich im Vergleich zum Vorjahr um 200 Millionen Euro "geringfügig" zunehmen. Der "rückläufige Trend der Schattenwirtschaft", der seit 2003 anhalte und nur im Krisenjahr 2009 einmal unterbrochen worden sei, komme damit "zum Stillstand".

Der Zoll betrachtet die Ergebnisse der Studie jedoch kritisch. Susanne Reink, Sprecherin der für Sachsen-Anhalt zuständigen Bundesfinanzdirektion Mitte, sagte der Volksstimme, dass nicht allein der Mindestlohn als Ursache für Schwarzarbeit herangezogen werden könne. "Es gibt zum Beispiel auch Hartz-IV-Empfänger, die sich schwarz noch etwas hinzuverdienen wollen." Derzeit seien Mindestlohn-Verstöße auch noch nicht erfassbar, weil betroffene Arbeitgeber in diesen Tagen zum ersten Mal den Mindestlohn überhaupt auszahlen müssten.

Laut der gemeinsamen Studie sind in den klassischen Schwarzarbeits-Branchen Lohnsteigerungen von insgesamt 7 Milliarden Euro nötig, um die Mindestlohn-Regelungen einzuhalten. Gerade Branchen mit ohnehin viel Schwarzarbeit wie Gaststätten, Hotels oder die Landwirtschaft seien davon betroffen, sagt IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Auch wer im Haushalt eine Putzfrau anstellt, muss den Mindestlohn zahlen. Familien, die Schwarzarbeiter beschäftigen, "wissen in der Regel, was sie tun", sagt Boockmann.

Zollkontrollen könnten gegen Schwarzarbeit helfen. Doch hierfür fehlt das Personal, kritisieren die Gewerkschaften. Bundesweit sind 500 von 6800 Stellen unbesetzt, erst in den kommenden drei Jahren sollen 1600 zusätzliche Kräfte ausgebildet werden. In Sachsen-Anhalt soll die Zahl der Beamten in den kommenden drei Jahren von 150 auf 240 wachsen.

"Das ist viel zu wenig", kritisiert Mirko Hawighorst, stellvertretender Regionalleiter der IG BAU in Sachsen-Anhalt. "Nicht der Mindestlohn begünstigt die Schwarzarbeit, sondern der Mangel an Kontrollen." Seit 1996 gelten in der Baubranche Branchenmindestlöhne. Es gebe zwar noch Fälle von Schwarzarbeit, aber die Lohnvorschriften hätten generell dazu geführt, dass es keinen ruinösen Wettbewerb mehr gebe. Seite 4

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