Magdeburg l "Die fühlen sich dort sichtlich wohl", sagt Volksstimme-Leserin Doris Hager am Redaktionstelefon und meint die pelzigen Schädlinge, die sie und ihr Mann auf dem Grünstreifen am Ulrichplatz bereits mehrfach beobachten konnten. Die Stadtfelder laufen dort regelmäßig auf dem Weg zum Allee-Center entlang und seit einiger Zeit "spielen dort fette Ratten im Gebüsch", erzählt sie. Eine richtige "Rattenburg" könne man beobachten. An dieser Stelle müsse doch so etwas nicht sein, findet Doris Hager und denkt an die warmen Monate, wenn vielleicht Kinder dort spielen.

Vor Ort bestätigt sich ihr Bericht: Die Eingänge zum Rattenbau sind gut sichtbar unter einem großen Gehölz zu sehen. Bei der Stichprobe gestern Mittag muss der Volksstimme-Reporter keine Minute warten und die erste Ratte lässt sich blicken. Sie ist auf Nahrungssuche. Unbeeindruckt von den zahlreichen Passanten, die auf beiden Seiten des Gebüschs hin- und hergehen, knabbert sie vor sich hin.

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung meldet sich der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Eike Hennig, persönlich aus dem Urlaub. Das Rattenproblem mitten in den Innenstadt sei demnach erkannt. Nach einem entsprechenden Bürgerhinweis war vor gut zwei Wochen ein Mitarbeiter vor Ort und hat die entsprechenden Rattenspuren und -löcher entdeckt.

Um wie viele Tiere es sich handelt, konnte Hennig nicht sagen. "Es sind nicht wenige", sagte er nur. Da es sich bei den Tieren um Schädlinge handelt, die Krankheiten übertragen, werden sie bekämpft. "Normalerweise müssten wir erst den Grundstückseigentümer ermitteln, was oft schwierig ist", erklärt Hennig.

Denn bei den meisten Fällen von Rattenbefall in der Stadt handelt es sich um verwahrloste Objekte. Ein Nest an solch einem prominenten Ort wie dem Ulrichplatz finde man nicht allzu oft.

In diesem Fall wurde die Suche nach dem Eigentümer aber vereinfacht, da es sich um ein städtisches Grundstück handelt. Das Gesundheitsamt hat mit dem zuständigen Stadtgartenbetrieb gesprochen. Gestern sollte eine Absperrung aufgestellt werden, sagte der Amtsleiter, heute soll mit der eigentlichen Bekämpfung begonnen werden.

Eike Hennig sieht die Schuld für das Rattenproblem beim Menschen. "Warum gerade dort?", fragt Hennig rhetorisch und schickt die Antwort gleich hinterher: "Weil sie dort reichlich zu fressen finden."

Die Tiere bräuchten drei Dinge, um sich wohlzufühlen, Ruhe, einen Unterschlupf sowie ausreichend Futter. Und eben das würde von jenen Leuten kommen, die am Springbrunnen Vögel füttern. "Es liegt an uns selbst", sagt er. Generell gehörten Ratten aber nun mal zur Zivilisation.

"Das Gesundheitsamt ist aber immer dankbar über Hinweise", erklärt Eike Hennig.

Meldungen sind möglich unter der Behördenhotline 115.

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