Magdeburg (dpa/cm) | In den ersten Wochen des Jahres 2015 sind in Sachsen-Anhalt zehn Menschen an Masern erkrankt. Im gesamten Vorjahr gab es lediglich elf Masern-Erkrankungen, wie das Landesamt für Verbraucherschutz am Mittwoch bekannt gab.

"Das Problem ist, dass Leute aus falscher Impf-Kritik heraus oder Nachlässigkeit nicht ausreichend geimpft sind", sagte die Hygiene-Beauftragte des Landesamts für Verbraucherschutz, Constanze Gottschalk. So gefährdeten sie sich und die übrige Bevölkerung.

Masern gelten als eine der gefährlichsten Kinderkrankheiten weltweit. Für Kleinkinder sind sie eine der häufigsten Todesursachen, wie das Robert Koch-Institut erklärte. "Das Virus greift das Immunsystem massiv an und schwächt es für mindestens sechs Wochen", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher. Sei der Körper erst einmal angeschlagen, folgten häufig Hirnhaut- oder Lungenentzündungen. Die Krankheit tritt am häufigsten bei Kindern auf, doch nach Angaben des RKI ist die Infektion für Erwachsene besonders gefährlich. "Stecken sich Erwachsene an, verläuft die Krankheit wesentlich schwerer als bei Kindern", sagte Glasmacher. Etwa jeder zweite Erkrankte müsse dann ins Krankenhaus.

Unter den kürzlich erkrankten Sachsen-Anhaltern befinden sich nach Angaben des Landesamts drei Erwachsene und sieben Kinder. Die Altersspanne liegt zwischen 54 Jahren und zehn Monaten.

In Südamerika und einigen südafrikanischen Ländern gelten Masern seit 2002 als ausgerottet. "Nur wir in Europa bekommen es nicht auf die Reihe", sagte Glasmacher. "Da haben uns einige afrikanische Länder und gerade auch Panama, Argentinien und Peru einiges voraus." In diesen Ländern sei ein hoher Impfstatus Standard.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt zwei Impfungen gegen Masern. Die Erstimpfung sollte bei Kindern im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen und nach vier bis sechs Wochen durch die zweite ergänzt werden. Sachsen-Anhalt ist bei den Durchimpfungs-Raten für Kinder nach Angaben des Landesamtes gut aufgestellt: 93,8 Prozent der Kinder hätten bei der Einschulung beide Impfungen erhalten. Bei einer Quote von 95 Prozent kann von einem sicheren Schutz ausgegangen werden, hieß es.

Anders sieht es bei den Älteren aus. "Jugendliche und Erwachsene sind in Sachsen-Anhalt unzureichend geschützt", sagte Glasmacher. Die zwischen 1970 und 1991 Geborenen seien meist nur einmal geimpft. Zudem liege die Impfquote der ab 1970 Geborenen bei gerade einmal 46 Prozent. "Erstaunlich viele Erwachsene sind also ungeschützt", sagte Glasmacher. Unzureichend geimpfte Erwachsene seien der Grund, weshalb die Krankheit immer wieder in Deutschland ausbreche.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist davon auszugehen, dass es in diesem Jahr zu weit mehr Erkrankungen kommen wird als im Vorjahr. Im Januar 2014 hatte es in Sachsen-Anhalt keinen einzigen Masern-Fall gegeben, wie aus den Zahlen des RKI hervorgeht.